Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Opez: Social Limbo (Review)

Artist:

Opez

Opez: Social Limbo
Album:

Social Limbo

Medium: CD/Download/LP+DL-Code
Stil:

Instrumental Americana

Label: Agogo Records
Spieldauer: 35:20
Erschienen: 17.11.2023
Website: [Link]

Man kann gerne darüber streiten, ob es Absicht von Massi Amadori ist, sein Solo-Projekt OPEZ zu nennen und damit ungemein an die grandiosen, kultisch verehrten, schwedischen Prog-Metallisten OPETH (im Schreib- wie im Sprechstil) zu erinnern. Hört man allerdings die Breitwand-Western-Soundtrack-ähnliche Musik von „Social Limbo“, nach dem gut acht Jahre zurückliegendem „Dead Dance“ die zweite OPEZ-LP, so ist aus musikalischer Sicht der Vergleich komplett unpassend – atmosphärisch aber gibt es doch so einige Parallelen zu entdecken, von geheimnisvoll über spannend bis hin zu abwechslungsreich und cineastisch.

Schon das Wüsten-Cover samt Gerippe mit Grammophon-Kopf und Akustikgitarre in der Knochenhand und großem Schatten (eine überdeutliche Motiv-Fortsetzung des ersten Covers „Dead Dance“ mit zwei Gerippen im gleichen Stil, aber ohne jeglichen Schatten) gibt uns ein deutliches Zeichen. Denn wer hier nicht an den Kult-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ und den gigantischen Soundtrack von ENNIO MORRICONE in Kombination mit dem noch verrückteren Horror-Western „From Dusk Till Dawn“ mit den ebenso beeindruckenden Sounds von TITO & TARANTULA denkt, der kann diese beiden meisterhaften Westernverfilmungen samt der sie maßgeblich unterstützenden Soundtracks (noch) nicht kennen. Und damit nähern wir uns auch deutlich der Musik auf „Social Limbo“ von OPEZ.

Hinter „Social Limbo“ vereinen sich elf Instrumental-Stücke, die vordergründig eine verträumte Americana-Wüsten-Romantik verbreiten, die aber auch mal durch eine härtere Gangart kurz durchbrochen werden kann, so als galoppiere in der Ferne ein jagender Indianer am Horizont entlang, während der entspannt trabende Mexikaner nur seinen Poncho zurechtrückt und den sicheren Sitz seine Sombreros überprüft, während völlig unberührt davon sein reichlich beladener Maulesel träge hinter ihm hertrottet.
Ist das nicht ein schönes, ein entspanntes und zugleich doch irgendwie sonnig-romantisches Gefühl?
Genau das Gefühl, welches uns gefangennimmt, wenn die LP in ihrer ganzen schwarzen Schönheit auf unserem Plattenteller kreist.

Western-Nostalgie, die auf Desert-Sound-Melancholie trifft und – genau so darf man es auf dem Promo-Schreiben doch recht einfallsreich lesen – nach der „Vorhölle einer Wiedergeburt“ klingt, mit dem Wunsch „selbst weiblich, sexy und sensibel zu erscheinen“. Ein schönes Bild – nicht sexistisch verstanden (Auch wenn hier sicher wieder ein paar Oberpuristen einen kommunikativen Stilbruch wittern!), dafür den staubigen Wüstenwind einatmend und sich den Wüstensand aus den Augen wischend, während durch den Wüstenschleier in der Ferne doch tatsächlich eine wunderbunte Oase auszumachen ist.

Dazu kommt der ideal abgestimmte Sound, der gerade bei solchen Wild-West-Träumereien genau stimmen und bei denen man auch mit seinen Ohren zwischen den Stereo-Effekten seiner Lautsprecher mitreiten können muss. Hierfür garantieren gleich drei hochgradige Produzenten, die sich die zwischen 2020 und 2023 entstandenen Aufnahmen vorgenommen und in ein einheitliches, stimmungsvolles Klang-Gesamtbild fügten, womit sie diesem zugleich den urwüchsigen Wüstensound einbliesen.

Bereit für einen verträumten Wüstenritt durch die Steppe bis hin zur nächsten Oase, die bereits in weiter Ferne am Horizont zu erkennen ist?
Dann bitte Cowboyhut und Westernstiefel anziehen, sein Pferd satteln, mit Hilfe der Zügel über die Steigbügel aufsitzen, seinem Pferd vorsichtig die Sporen geben und losreiten. Wer das alles gerade nicht verfügbar hat, für den reicht es auch, einfach „Social Limbo“ von OPEZ auf seinen Plattenteller zu legen, den Plattenspieler anzuschalten und vorsichtig die Nadel auf die schwarze Rille zu setzen.

FAZIT: Mit „Social Limbo“ entführt uns der Italiener Massi Amadori – seinem Landsmann ENNIO MORRICONE ähnlich – als OPEZ in seine wildwest-romantische Instrumentalwelt voller verträumter Americana-Desert-Breitwand-Sounds für einen entspannten und bisher noch nicht abgedrehten Western, der einem gemächlichen Ritt durch die Wüste gleicht, wobei man all deren geheimen Schönheiten bewusster wahrnimmt. Keine Action mit aufgesetzter Melodramatik, sondern einfach geheimnisvolle Klänge zwischen einem Gefühl unendlicher Freiheit und wildwestlicher Desert-Aura, die durchaus den einen oder anderen bedrohlichen Moment in sich trägt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 910x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Seite A (18:26):
  • Italiana (3:37)
  • Umbra (3:43)
  • Venezia (3:00)
  • Social Roll (4:42)
  • Male Nostrum (3:24)
  • Seite B (16:54):
  • Mossa Nova (3:35)
  • Limbo (2:23)
  • Sinuendo (3:48)
  • Oro (2:56)
  • Srever (0:57)
  • Donna Lira (3:15)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Vervollständige: Laterne, Laterne, Sonne Mond und...

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!