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GRIFT & Ulrike Serowy - The Wild Rover, Aachen - 15.10.2023

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Auch wenn sich die Zahl der Gäste an diesem Sonntagabend im nun endlich Einzug haltenden Herbst an drei Händen abzählen lässt, freuen sich Ulrike Serowy und Erik Gärdefors über ein uriges Setting im Aachener Pub The Wild Rover, in dem die Zeit seit einigen Jahrzehnten stehengeblieben scheint.

Die Kölner Autorin liest heute Abend Auszüge aus ihrem Roman "Wölfe vor der Stadt", und der Gründer von GRIFT trägt einen Reigen von Liedern vor, von denen einige ebenfalls ein wildes Weben und Leben außerhalb des Urbanen thematisieren. Begegnet sind sich die beiden Kreativen schon des Öfteren auf Konzertabenden, und so wie sich z.B. Matt MacNerney (Hexvessel) für Veranstaltungen ausspricht, auf denen sich Musik mit anderen Künsten verbindet, so kann auch Erik dieser Kombination etwas abgewinnen – hier und heute vor allem Atmosphärisches, wie er nach der rund halbstündigen Lesung erklärt.

Serowy liest vier Kapitel aus ihrem zweiten Buch, und erläutert den gespannt Lauschenden, welche Legenden – auch aus Aachen – sie dafür aufgegriffen und miteinander verwoben hat. An einem solchen Abend besonders passend schildert sie unter Anderem, wie feinfühlig und gleichzeitig nahezu rauschhaft eine Protagonistin Musik sinnlich wahrzunehmen vermag. Dieses besondere Erleben von musikalischen Klangwelten können sicher einige Menschen vor der Bühne so oder so ähnlich nachempfinden.

Wenn Erik Gärdefors seine Lieder spielt, dann entzündet er dazu Rauchwerk, und auch heute Abend ist das so. Tonaufnahmen von Wald- und Wiesengeräuschen und insbesondere von Vögeln hat der Schwede für sein neues Album "Dolt Land" selbst in die Hand genommen. Auf Solo-Konzerten spielt er sie von Band ab, während er seine Lieder auf der von ihm zuweilen auch perkussiv genutzten Gitarre intoniert, und sein kräftiger Gesang von Jahr zu Jahr eine immer größere Bandbreite abdeckt. Mittlerweile sei diese Form der Darbietung die von ihm favorisierte, gibt der Schwede zu Protokoll, und wer weiß – vielleicht gehören die Tage von GRIFT als Black-Metal-Band vorerst der Vergangenheit an…?

Aus vergangenen Tagen zieht GRIFT ebenso Inspirationen wie aus der Natur, und welch heilende Kraft im Waldgang liegen mag, wird deutlich, wenn Erik mit fester Stimme über einen verstorbenen Freund oder über gebirgige Panoramen singt – und damit ein Bild aufgreift, das zuvor in Serowys Lesung bereits so ähnlich auftauchte. Es ist also ein im Wortsinne runder Abend.

Im nahezu familiären Setting ist im Anschluss zu vernehmen, dass der Besuch dieser Veranstaltung die beste spontane Entscheidung des Jahres gewesen sei, und sowohl Autorin als auch Musiker hören einige dankbare Bekundungen.

Thor Joakimsson (Info)

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