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The Ghost And The Machine: Sorrows (Review)

Artist:

The Ghost And The Machine

The Ghost And The Machine: Sorrows
Album:

Sorrows

Medium: LP/Download/CD
Stil:

Singer/Songwriter, Folk, Pop, Americana

Label: Fullmax Recordings
Spieldauer: 41:39
Erschienen: 14.11.2025
Website: [Link]

Macht es einem nicht von vornherein Sorgen, wenn ein Musiker sein Album „Sorrows“ nennt?
Und diese dann tatsächlich auch noch durchgängig 41 Minuten lang thematisiert?
Oh nein! Auf keinen Fall! Wenn am Ende der 41 Minuten ein dermaßen starkes, sorgenvolles Album herauskommt, welches beim Hörer statt für Sorgen für Bewunderung sorgt.

Bedrückende Folk-Geschichten mit einer charismatischen Stimme vorgetragen, die sich zwischen den EELS und einem NICK DRAKE oder NICK CAVE, JOHNNY CASH und JACKIE LEVEN bewegen, machen die Musik hinter dem multiinstrumentalen Maschinen-Geist Andreas Lechner aus, der fast im Alleingang für THE GHOST AND THE MACHINE verantwortlich ist und dabei auf so viel Atmosphäre setzt, dass einen – wenn man mental gerade nicht sonderlich gut drauf ist – tatsächlich bedrücken muss. Man leidet regelrecht in seiner Musik-Maschine, die vom geheimnisvollen Wiener Geist gesteuert wird und in der Lechner die tief sitzenden Sorgen an die Oberfläche holt, um ihnen dort genau den schwermütigen Klang zu verleihen, den „Sorrows“ verbreitet – und bei dem „Iron Sun“ sogar deutliche Erinnerungen an „Like A Hurricane“ von NEIL YOUNG weckt.


Da dürfen dann auch Akkordeon und 'Singende Säge' zur finsteren Atmosphäre beitragen. Ihr genau den cineastischen Sound verleihen, der einem gespenstischen Film voller Tiefe – der nicht auf oberflächliche Horror-Effekte setzt – innewohnt. Hier schweben die Geister durch den Raum, wollen entdeckt werden, ohne dabei angriffslustig zu sein.

Die beste Beschreibung von Lechners Musik, in der er gleich zu Beginn die „Strange Days“ heraufbeschwört, findet man unter der Homepage des Wiener Musikers, die genauso finster wie seine Musik gestaltet ist, wenn er feststellt: „Im Gegensatz zum schnelllebigen Musikkonsum und dem boomenden Streaming-Markt hat sich Lechner über einen Zeitraum von zehn Jahren eine unverwechselbare künstlerische Identität als Songwriter und Musiker erarbeitet. Mit seinen poetischen, düsteren Texten, die an Mark Lanegan, Chelsea Wolfe oder Tom Waits erinnern, seinen nostalgischen Synthesizerklängen und dem charakteristischen Sound seiner Resonator-Gitarren ist 'Sorrows' eine einzigartige Klangmischung, die berührende Geschichten erzählt. Gastauftritte befreundeter Instrumentalisten sind ebenfalls enthalten.“


Und so lässt Lerchner immer wieder seine Resonator-Gitarren erklingen, genau wie das vor geraumer Zeit noch ein Ry Cooder oder Jimmy Page (bei „Stairway To Heaven“) und die DIRE STRAITS taten. Oder er entführt uns mit nostalgischen Synthesizer-Klängen tief in die Vergangenheit, zu der er seine kleinen Weltuntergangsgeschichten im poetischen Stil eines trunkenen Tom Waits' oder Charles Bukowskis entwirft.
Lechner selber nennt diese Musik-Exkurse ein 'ultimatives Indie-Experiment' und schafft damit das genaue Gegenteil von mainstreamiger, (Musik-)geistloser Großkotzigkeit, deren Geister höchstens in geklickten Daumen liegen. Über die breiten THE GHOST AND THE MACHINE ihr Leichentuch aus und beerdigen alles auf dem Friedhof ihrer dunklen Romanzen und setzen Grabsteine darüber, die schwer genug sind, dass diese Musikkadaver nicht als Billig-Pop-Zombies wieder auftauchen, um ihren Radiodünnschiss zu verbreiten.


Besonders reizvoll erscheint hinter THE GHOST AND THE MACHINE auch die Anspielung auf ein Buch des Schriftstellers Arthur Koestler über den Philosophen Gilbert Ryle und dessen dualistischen Ansichten zur Beziehung zwischen Geist und Körper. Koestler jedenfalls war in der DDR mit seinem Roman „Sonnenfinsternis“ strengstens verboten und man begab sich in ernsthafte Gefahr, wenn man dieses Buch (so wie der Kritiker dieser Review) damals besaß.
Welche Macht konnten ehrliche Worte damals noch verbreiten?
Ähnliches jedenfalls versucht auch Andreas Lechner mit seiner ungewöhnlichen Musik und den dazugehörigen Texten.


Allerdings kann THE GHOST AND THE MACHINE auch druckvoll und knackig, wenn auf der LP-B-Seite ins Flugzeug eingestiegen und mit „Midnight Plains“ gehörig losgerockt wird.
Das lockert die düstere Atmosphäre gehörig auf und setzt sogar mit feinen Harmonien noch eine traurige Erinnerung an den „Last Day Of Summer“ drauf.
„Foreign City“ steuert wiederum eine aalglatte Americana-Hymne bei, die trotz ihrer Country-Klänge ihre finstere Seite einfach nicht verheimlichen kann, um dann mit „Light Of Love“ zum ganz großen Finale auszuholen. Eingestimmt mit einer akustischen Gitarre beginnt sich hier nach und nach die ganz große Ballade auszubreiten, um mit der letzten tiefschwarzen Träne „Sorrows“ zu voll- und beenden.


FAZIT: THE GHOST AND THE MACHINE, das musikalische Fast-Solo-Projekt des Wiener Musikers Andreas Lechner, macht seinem (an Arthur Koestler angelehnten) Titel alle Ehre. Ebenso wie dem bedrückenden Albumtitel „Sorrows“. Mit rauer Stimme zu viel Resonator-Gitarre und analogen Synthesizer-Klängen vorgetragene finstere Poesie, die einen erschauern lässt. Bewundernsvoll erschauern. So traurig klang eigentlich nur noch ein JOHNNY CASH auf seinen 'American Recordings' (die allerdings besser als „Sorrows“ produziert waren), als schon der Sensemann vor dessen Tür seine Sichel schliff. „Sorrow“ ist das „Hurt“ der Gegenwart... Denn jeder weiß ja, dass der Tod tanzen kann. Lechner hat dazu die melancholische Musik geschrieben.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 119x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (21:32):
  • Strange Days (3:11)
  • Iron Sun (4:23)
  • Fire Walker (2:36)
  • Sick Child (3:40)
  • Blue & Grey (3:43)
  • Ghost Romance (3:59)
  • Seite B (20:07):
  • Midnight Plains (3:18)
  • Last Day Of Summer (3:38)
  • Sorrows (3:31)
  • Pale Rider (2:38)
  • Foreign City (2:54)
  • Light Of Love (4:08)

Besetzung:

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