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Tarja: Frisson Noir (Review)

Artist:

Tarja

Tarja: Frisson Noir
Album:

Frisson Noir

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Symphonic Rock, Metal Opera

Label: earMUSIC
Spieldauer: 63:55
Erschienen: 12.06.2026
Website: [Link]

„Die Musik auf dem Album ist vom ersten Ton bis zum letzten orchestralen Höhepunkt darauf ausgelegt, dieses unverwechselbare Gefühl auszulösen: den Moment, in dem Klang nicht nur gehört, sondern gefühlt wird und dem Hörer eine Gänsehaut bereitet.“ (TARJA zu „Frisson Noir“)

Wenn TARJA Turunen, die ehemalige Sängerin von NIGHTWISH, ihre Stimme zu Arien und Metal erhebt, dann gibt es die musikalische Hochkultur von symphonischem Heavy Metal bis hin zu orchestralem Oper-Bombast zu erleben, wie man sie so authentisch im Grunde nur in Finnland, wo man diese Musik längst zum 'Heiligen Gral' erklärt hat, zu hören bekommt.
Mit „Frisson Noir“ beweist TARJA zugleich, warum sie in diesem Genre und mit dieser unglaublichen Stimme fast ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.
Jederzeit wiedererkennbar.
Jederzeit schwer beeindruckend.
Jederzeit leidenschaftlich überbordend.
Musik, in der man ertrinken kann, genauso wie in der ersten, extrem komplexen Album-Auskopplung „At Sea“, welche mit über zehn Minuten Laufzeit bereits das Monumentale hinter „Frisson Noir“ betont und wie ein Sturm, der das Meer aufwühlt, die Ohren des Hörers zwischen Klassik und Metal und Oper überflutet. Zugleich ist „At Sea“ das längste Stück der gesamten TARJA-Diskographie.


Die finnische Sängerin spricht bei diesem dunklen und zugleich schwer metallischen sowie mit einer Vielzahl hochspannender Gäste besetzten Album vom härtesten Werk ihrer Karriere, mit dem sie sich vorrangig dem Metal zuwendet, ohne dabei ihre opernhafte Ausstrahlung aufzugeben. So wird „Frisson Noir“ zur symphonisch-orchestralen Metal-Opera, die sogar einem klaren, aus dem Albumtitel hervorgehenden Konzept folgt, da unter dem Begriff 'Frossoir' genau der Moment verstanden wird, in dem Musik so sehr auf den Körper wirkt, dass sie tiefe Emotionen auslöst. Klänge also, die wie ein Schalter wirken, die den Menschen – je nachdem wie man diesen Schalter umlegt – extrem bewegen.
Dass TARJA genau diesen 'Frissoir'-Effekt beim Hörer von „Frisson Noir“ die gesamten 64 Minuten lang auslösen will, ist klar. Noch beachtlicher ist allerdings, dass sich – vorausgesetzt man lässt sich tief und unabgelenkt in dieses Album fallen – genau dieser Effekt auch einstellt, was schon mit der Piano-Passage in Kombination mit Electronics fast gespenstig nach dem Klangschalen-„Intro“ beginnt (und im Klangschalen-„Outro“ endet), um dann sofort in den harten und zugleich orchestralen Titeltrack überzugehen, in dem TARJA die ganze Breite ihrer Stimmbänder strapaziert. Gerade von Vinyl klingt der Sound dazu bombastisch, fett und voluminös – manchmal aber auch etwas verwaschen.

Sieben lange Jahre musste man nach „In The Raw“ auf dieses Doppel-Album warten. Die Wartezeit hat sich musikalisch, kompositorisch und klangtechnisch voll gelohnt. Denn das bombastische Metal-Arien-Feuerwerk in bester NIGHTWISH-Tradition, das TARA auf „Frisson Noir“ entzündet, reißt den Hörer von der ersten bis zur letzten Minute dieser 64-minutigen Musikreise mit.

Beachtlich sind all ihre Gäste, die für eine unglaubliche Abwechslung sorgen – regelrechte hypnotische Momente erzeugen. Bestes Beispiel hierfür das als Ballade angelegte und sich immer wieder zur knackigen Hymne steigernde „Tango“, bei dem TARJA die Cello-Rocker APOCALYPTICA zur Seite stehen.


Mit „Leap Of Faith“ kehrt TARJA unverkennbar zu ihren NIGHTWISH-Wurzeln zurück, wobei sie am Bass sowie beim Gesang von ihrem ehemaligen NIGHTWISH-Bassisten Marko Hietala begleitet wird.
Hier setzt das Album genauso auf Härte wie bei dem noch knackiger-metallischeren „I Don't Care“ (die zweite Single-Auskopplung), bei der Dani Filth – der Sänger von CRADLE OF FILTH – zusätzlich am Mikro steht und den Song um eine deutliche Scream-Attitüde erweitert.
Für alle Metallisten wird dieser Song wohl zum Album-Highlight werden. Alle puren TARJA-Verehrer aber werden ihr Highlight an „At Sea“ festmachen.


Und dann lauert da noch eine weitere Überraschung, die Richtung Asien weist, als Opener der LP-C-Seite.
Auf „The Trace Outlives“ wird TARJA von Sayo Komada an der Shamisen (dreisaitig gezupfte Langhalslaute aus Japan) unterstützt. Zugleich ist der Song die letzte Single-Auskopplung, der sich thematisch um Menschen dreht, die plötzlich auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche verschwinden und was diese Entscheidung in ihrem Umfeld – bei Verwandten und Freunden – auslöst. In Japan existiert dafür der Begriff „Johatsu“, dem TARJA ihre Stimme und Komada das absolut passende Instrument dazu verleiht.
Wie es zu diesem weltmusikalischen Glücksgriff kam, ist ebenfalls aus dem Munde von Frau Turunen zu erfahren: „Ich suchte nach einem Klang, der mich nach Japan entführt, und fand ein wunderschönes, uraltes Instrument, das einer Gitarre ähnelt, aber einen perkussiveren Klang hat – die Shamisen, traditionell im Puppentheater verwendet. […] Ich lud das junge Talent Sayo Komada ein, ihre Kunst mit meinem Lied zu verbinden.“
Auch hier gilt: ganz großes Kino!


Vielleicht sollte abschließend noch ein letzter musikalischer Gast erwähnt werden, der kurz vor Album-Ende den Platz hinter den Fellen einnimmt und sonst als großer Schlagzeuger der RED HOT CHILI PEPPERS gilt: Chad Smith sein Name, sein Drumming bewundernswert.
So gesehen geht „Frisson Noir“ mit diesem letzten großen Paukenschlag zu Ende und ist (speziell auf Doppel-Vinyl) gleichermaßen mit der beeindruckendste Paukenschlag, den TARJA in ihrer bisherigen 30-jährigen Musikerkarriere hinterlassen hat.


FAZIT: „Frisson Noir“ ist tatsächlich das beste Album von TARJA geworden, in dem sehr viel Liebe und Leidenschaft steckt, wobei gerade die Doppel-LP begeistert, zu der neben dem fetten Sound von 180g-Vinyl auch ein megafettes 24-seitiges (!!!) LP-Booklet gehört, das auf der einen Seite den Text und der anderen ein dazu passendes ganzseitiges Bild beinhaltet. Namhafte Gäste, wie beispielsweise APOCALYPTICA oder der Sänger von CRADLE OF FILTH und NIGHTWISH-Bassist Marko Hietala sowie RED HOT CHILI PEPPERS-Schlagzeuger Chad Smith und eine japanische Shamisen-Spielerin, sorgen für weitere Abwechslung. „Frisson Noir“ entwickelt sich so zu einem Album, welches zu den absoluten Highlights zwischen Symphonic Rock und Metal Opera gezählt werden darf. Der sich hinter dem Wort 'Frisson' verbergende Moment, in dem die Musik einen Schauer durch den Körper jagt, wird bei TARJA zu erlebter Wirklichkeit.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 74x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (19:04):
  • Intro (0:45)
  • Frisson Noir (6:35)
  • The Eternal Return (4:51)
  • Leap Of Faith (feat. Marko Hietala) (6:53)
  • Seite B (16:49):
  • At Sea (feat. Mervi Myllyoja & Niklas Pokki) (10:18)
  • Blaze Forever (6:31)
  • Seite C (15:04):
  • The Trace Outlives (feat. Sayo Komada) (5:00)
  • Tango (feat. Apocalyptica) (4:46)
  • Anemoia (feat. Julián Bedmar & Valter Freitas) (5:18)
  • Seite D (12:58):
  • I Don't Care (feat. Dani Filth) (5:26)
  • Against The Odds (feat. Chad Smith) (6:27)
  • Outro (1:05)

Besetzung:

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