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Otay:Onii: Love Is In The Shit (Review)

Artist:

Otay:Onii

Otay:Onii: Love Is In The Shit
Album:

Love Is In The Shit

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Experimentell, Post- und Kraut-Rock, Wahnsinn mit Gesang und Geräuschen, Avantgarde, Noise, Industrial

Label: Pelagic Records
Spieldauer: 33:29
Erschienen: 08.05.2026
Website: [Link]

„Ich zwinge den Songs keine Form auf – sie entwickeln sich im Moment von selbst. Die eigentliche Herausforderung beginnt erst auf der Bühne, wo ich spezielle Installationen oder Maschinen baue, um das Gefühl des Albums in eine andere Dimension zu übertragen. Für 'Love Is In The Shit' habe ich ein Klangverzerrungsgerät entwickelt, das einem Haufen Kot ähnelt, der aus einer Lotusblume wächst. Wenn ich es drehe, verändert sich der Klang und offenbart das Wesen des ‚Mists‘, den wir erhalten, und wie wir ihn aus unserer eigenen Perspektive verändern können. Für mich ist das Album zur Hälfte eine erzählte Geschichte. Die Live-Auftritte sind die andere Hälfte, die das Ganze zum Leben erweckt.“ (Lane Shi aka OTAY:ONII)


Was ist das nur – vorausgesetzt man schaut genau hin – für ein unfassbar provokantes wie durchaus bedenkliches Schwarz-Weiß-Cover, das allerdings genau das wiedergibt, was als Thema mit „Love Is In The Shit“ auf besagtem Album steht. Da hockt doch tatsächlich die Musikerin Lane Shi, die solistisch als OTAY:ONII in ihrem ganz eigenen Experimentier-Universum auftritt, mit heruntergelassener Hose vor einem mittelalterlich ruinösen Tor und scheint ihre Notdurft abzusondern. Denn in der Scheiße steckt die Liebe!


Liest man dazu noch ihre diese Review einleitenden Worte, dann wird dieses so liebevolle Scheiß-Thema komplett (auf)geklärt. Und keine Angst, die Musik von „Love Is In The Shit“ ist nicht etwa Kacke, sondern ein echtes Vokal-Noise-Ereignis, was besonders an der experimentellen Musikerin und charismatischen Sängerin OTAY:ONII liegt, die wahrscheinlich auch bei einer Band wie den Krautrockern CAN in die engere Wahl gerückt wäre, als die sich für den ebenso abgefahrenen Sänger DAMO SUZUKI entschieden.


Aber um in der „Love Is In The Shit“-Gegenwart zu bleiben: BJÖRK oder die BENT KNEE-Sängerin Courtney Swain kommen einem bei dieser in Berlin lebenden chinesischen Sängerin genauso in den Sinn wie die Schrei-Therapien einer YOKO ONO, die sie neben JOHN LENNON von der Bühne absonderte und damit dessen Publikum regelrecht erschütterte.
Noch dazu erforscht Lane Shi auf ihrem Album existierende Bewusstseinszustände, die sich zwischen entspannter Hingebung bis zum totalen Wahnsinn bewegen, wobei sie auch in ihrer Wortwahl unerbittlich hart zur Sache geht. Der Klang ihrer Stimme lotet dabei alle diesbezüglich möglichen Perspektiven von fragil bis explosiv aus – und ist nicht für schlichte oder harmonieverliebte Gemüter gedacht. Denn wenn sich die wahre Liebe in einem Haufen Scheiße verbirgt, dann muss man sich erstmal die Nase und die Ohren zuhalten, um zum Kern zu gelangen. Und manchmal nimmt man OTAY:ONII sogar so einen Song wie „No Talent“ 1 zu 1 ab, um dann zu bemerken, wie viel verrückte stimmliche Genialität sich gerade hinter diesem Song verbirgt. Das hätte auch eine AMANDA PALMER von den DRESDEN DOLLS nicht besser hinbekommen.


Glaubt man OTAY:ONII, so entstanden viele der Songs direkt aus dem tiefen Drang heraus, sich durch das Singen aus Panikattacken, Angstzuständen und Wutausbrüchen zu befreien. Nun dürfen wir diese lautstark in der Hoffnung miterleben, dass sie sich nicht auch auf uns als Hörer übertragen. Die Wirkung dieses Albums ist tatsächlich manisch und zugleich schwer ansteckend, weswegen OTAY:ONII unmittelbar klarstellt: „Dieses Album handelt von dem, dem wir nicht entfliehen können: dem Lärm, der Last und dem Chaos der Welt, der anderen und unseres eigenen Geistes und Körpers. Was kaputt ist, ist kaputt, daran können wir nichts ändern. Doch inmitten des Schmerzes liegt unser Weg zur Heilung und zum Festhalten an etwas. Die Bürde wird zur Alchemie, sie wird in Leidenschaft verwandelt, in das, was uns lebendig fühlen lässt. Wenn wir wählen, was uns entfacht, verlieren wir uns nicht – und aus dieser festen Basis heraus können wir anderen mehr von uns geben.“

Ob Genie oder Wahnsinn – diese Entscheidung darf jeder nach dem Hören der guten halben, experimentell-avantgardistischen, noise-psychedelischen Stunde für sich selbst treffen.
Und diese Entscheidung fällt garantiert nicht leicht!


FAZIT: OTAY:ONII wühlt auf „Love Is In The Shit“ tief in der (Vokal-Noise-)Scheiße und fördert dabei musik-experimentelle Perlen ans Tageslicht, die so gewagt sind wie die krautrockigen CAN-Experimente mit Damo Suzuki oder die größten Verrücktheiten einer BJÖRK in Verbindung mit den Schrei-Therapien einer YOKO ONO. Dazu noch ein Cover, das – schaut man genauer hin – den ganzen Mut der in Berlin lebenden chinesischen Sängerin zum Ausdruck bringt. „Love Is In The Shit“ ist tatsächlich so avantgardistisch und intim, dass Lane Shi aka OTAY:ONII sogar mit heruntergelassener Hose dafür in die Hocke geht.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 33x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Have You Ever
  • Love From Survivors
  • World Class Citizen
  • No Talent
  • The Plaice
  • Underdog Bark
  • Tears Won't Tell

Besetzung:

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