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Green Carnation: A Dark Poem, Part III: The Messiah Complex (Review)

Artist:

Green Carnation

Green Carnation: A Dark Poem, Part III: The Messiah Complex
Album:

A Dark Poem, Part III: The Messiah Complex

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Progressive Metal

Label: Season Of Mist
Spieldauer: 38:29
Erschienen: 04.09.2026
Website: [Link]

Schaut man sich die aktuellen Rezensionen zu „A Dark Poem, Part III: The Messiah Complex“ an, so treten durchaus gemischte Sichtweisen zutage. Ursache des ambivalenten Meinungsbildes ist die Tatsache, dass GREEN CARNATION ihre Album-Trilogie mit einem reinen Orchesterstück, getragen vom Symphonie-Orchester und Opern-Chor aus Kristiansand, abschließen.

Die einen stört der unvermittelte Übergang vom Progressive Metal zur klassischen Musik und hätten sich eine Inkorporation der orchestralen Elemente in den Metal-Kontext gewünscht, während andere über den stilistischen Bruch hinwegsehen, diesen in eine Tradition progressiver Rockmusik einordnen und die Verbindung zwischen den entgrenzten musikalischen Richtungen betonen. Wie auch immer das finale Urteil ausfällt, gemein ist beiden Seiten, dass sie den beschriebenen Übergang als durchaus radikal empfinden und der ersten Albumhälfte, i. e. den drei nichtklassischen Songs, die typische GREEN-CARNATION-Qualität bescheinigen.

Zunächst ist es Bands heutzutage hoch anzurechnen, wenn sie mit der Erwartungshaltung der Hörer brechen und sich ein Stück weit Unvorhersehbarkeit bewahren. Gleichzeitig findet die beinahe siebzehnminütige Orchestermusik nicht im luftleeren Raum statt, sondern – das stellen natürlich alle Rezensenten fest – sie greift vergangene Themen auf. Gerade die zentralen Motive von ‚Sanguis‘, dem Opener des Vorgänger-Albums, machen ihre Rückkehr in der Orchestral Suite, was diesen, nicht zuletzt eingedenk seiner lyrischen Direktheit, zum Schlüsselmoment der Trilogie werden lässt. Daneben erscheint die Hinwendung zu klassischer Form als die konsequente Übersteigerung von GREEN CARNATIONs symphonischer Spielweise. Oder, anders ausgedrückt: Das orchestrale Moment könnte ebenso Aufschluss über das Selbstverständnis von Musikern geben, die sich bei aller Liebe zum Progressive Metal als klassische Komponisten sehen.

Nicht kontrovers, sondern konsensbildend geraten offenkundig die Lieder der A-Seite, über deren Qualität man keine zwei Meinungen hat. Hier schimmert das Bekenntnis zu komplexer Synthesizer-Instrumentierung mehr denn je durch, was nicht nur im technologiekritischen ‚Unconditional Artificial Chemistry‘, sondern auch in den anderen beiden Tracks sinnfällig wird. Bis zum headbang-kompatiblen Sympho-Part, mit welchem im Eröffnungsstück die Bridge eingeleitet wird, hat man darüber hinaus von feinen Pianolinien, doomigen E-Gitarren, sattem Bass und wie gehabt hymnischem Refrain typische GREEN-CARNATION-Trademarks durchlaufen, die sich keinen Deut schlechter anfühlen als auf den beiden vorangegangenen Releases.

Wie in den Strophen dieser ersten Nummer ist ebenso im nachfolgenden ‚The Messiah Complex‘ – christliche Bezüge deuten sich bereits qua Titelgebung an – die Gitarre auf dem Rückzug, was den Musikern Gelegenheit gibt, subtil ihre Vorliebe für interessante Details auszuleben. Gitarrenlastige Parts hebeln den symphonischen Anspruch der nach Artrock tönenden Komposition nicht aus, auch wenn sie einmal das musikalische Geschehen dominieren.

‚Broken Souls, Common Enemies‘, einer der längsten Tracks der Trilogie, sticht im Kontext dieser Platte nochmal ein Stück heraus. Auffällig ist, dass die Sequenzen nie einer gewissen Dramatik und unterschwelligen Komplexität entbehren. Dagegen scheint der obligatorische Auftritt von Gastflötistin Ingrid Ose von geradezu vordergründiger Schönheit, ganz zu schweigen von dem leidenschaftlichen Gitarrensolo, was diesem Track zu einem wirkungsvollen Höhepunkt verhilft. Bleibt zu fragen: Wie sonst sollte man enden als mit dem stilistischen Bruch, wo doch mit herkömmlichen Mitteln der musikalische Ausdruck nunmehr kaum steigerungsfähig ist?

FAZIT: GREEN CARNATIONs „A Dark Poem, Part III: The Messiah Complex“ stellt den letzten Teil einer insgesamt zweistündigen Progressive-Metal-Symphonie dar. Dabei erstaunt, dass sich alle drei Alben der Trilogie in Sachen Komplexität, Eigenständigkeit und Leidenschaftlichkeit nichts nehmen. Viel eher bilden sie eine Einheit, wo Zusammengehörigkeit Mehrwert schafft.

Tim Rahrbach (Info) (Review 35x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Unconditional Artificial Chemistry (6:09)
  • The Messiah Complex (6:48)
  • Broken Souls, Common Enemies (8:45)
  • A Dark Poem – Orchestral Suite (16:47)

Besetzung:

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