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Eric Gillette: The Watcher (Review)

Artist:

Eric Gillette

Eric Gillette: The Watcher
Album:

The Watcher

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: EKG Productions/Just For Kicks
Spieldauer: 50:17
Erschienen: 21.08.2026
Website: [Link]

„A journey through consciousness, identity, and the search for meaning. (Eine Reise durch Bewusstsein, Identität und die Suche nach dem Sinn.)“ (Zitat, wenn man das Digipak zu „The Watcher“ öffnet.)

Wer sucht eigentlich nicht nach dem Sinn des Lebens?
Und hat diesen schon irgendwer gefunden?
Faust jedenfalls würde dazu feststellen: „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält!“ Und nachdem ihm offenbar wurde, dass er zu dieser Erkenntnis nicht ohne die Hilfe finsterer Mächte gelangen würde, versuchte sich der gute Professor das Leben zu nehmen, wobei ihn allerdings das Geläut der Osterglocken und der als Pudel getarnte Teufel in den Weg kamen. Fausts Lebenssinn bestand jedenfalls daraufhin im Pakt mit dem Teufel.
Ergeht es vielleicht dem Wächter oder Beobachter in ERIC GILLETTEs „The Watcher“ ganz ähnlich?
Warten wir ab – und hören wir genau hin!
Doch schon bei einem Blick auf das bedrohliche, finstere Cover scheinen wir es hier doch eher mit einem Teufelspakt als mit den sonnigeren Erkenntnisseiten eines sinnlichen Lebens zu tuen zu bekommen.


Im Falle von ERIC GILLETTE, den viele sicher auch als Gitarristen von NEAL MORSE kennen (und der beispielsweise vor zehn Jahren schon nach dem 'Großen Unbekannten' suchte), gilt für dieses progressive und metallische Konzept-Album schonmal: Es ist verblüffend, was ein einzelner Multiinstrumentalist mitunter für fette Alben aus den vielfältigen Ärmeln seiner musikalischen Kreativität zaubern kann. Unübertroffen hierbei sicher ein MIKE ODFIELD (Doch der hat noch nie auf Prog-Metal gesetzt!). Aber es gibt auch Momente, da taucht ein Musiker auf, der im völligen Alleingang ein Album einspielt, dabei jedem Instrument breite Spieleinsätze einräumt und so klingt, als würde eine komplette, richtig gute Band ein beachtliches Album einspielen – in diesem Falle mit musikalisch wie konzeptionell deutlicher DREAM THEATER- oder SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR-Tendenz. Und niemand würde wohl vermuten, dass das alles von einem einzelnen Musiker hingezaubert wird. Bei ERIC GILLETTE aber ist genau das der Fall, wenn er seinen aufmerksamen wie bedrohlichen Wächter auf die ihm wohlgesonnenen Hörer, denen US-Prog mit metallischer sowie symphonischer Schlagseite – samt geschickt eingeflochtener Akustik-Momente („Beneath The Mask“) – am Herzen liegt, loslässt.

Noch dazu ist Gillette so gesehen in doppeltem Sinne ein rasiermesserscharfer Musiker, den aufgrund seines großartigen multiinstrumentalen Könnens bereits 2013 NEAL MORSE als wahre Bereicherung für seine Band entdeckte, sodass dessen spockbärtigen Einflüsse auf „The Watcher“ deutlich hörbar sind.


Und wenn die Krux bei vielen Multiinstrumentalisten oftmals ihre Stimmbänder sind, kann für Mr. Gillette, der bei Morse im Background mitsingt, ebenfalls Entwarnung gegeben werden. Sein Gesang ist in den ruhigen wie harten Momenten sauber und einwandfrei und passt sich bestens dem instrumentalen Spektakel, das er solistisch hinter „The Watcher“ entfacht, an, wobei ihm besonders die hymnischen Momente exzellent zu Stimme stehen.

Im Album-Konzept vereinen sich philosophische wie psychologische Themen miteinander. Das eigene Ich wird genauso hinterfragt wie das gesamte Dasein als solches. Hier lächelt einen also tatsächlich ein Faust oder ein Hamlet mit der unumstößlichen Daseins-Frage: „Sein oder Nichtsein?“ thematisch an. Und während sich im Ergebnis dieser Frage eher für das Nichtsein und gleichermaßen das Verstecken hinter einer Maske entschieden wird, bahnt sich schon der menschliche Untergang an. Der Wächter besitzt die Macht über uns, doch mit: „If I'm more than what I see / More than this reality / Maybe I was lost but never gone...“, bahnt sich in „Fade Of Stillness“ Rettung an.

Die insgesamt vier langen Stücke (Der Schläfer / Der Wächter / Das Gefäß / Das Spiegelbild) unterteilen sich in mehrere kürzere, sehr spannungsgeladene Teile, die oft auf den bombastisch-härteren Progrock setzen, aber auch Hymnisches heraufbeschwören, um der Story einen unverkennbar cineastischen Aspekt zu verleihen.
Im Grunde wirkt „The Watcher“ wie die Vertonung eines dramatischen Bühnenstücks, das bisher noch nicht die passende Bühne gefunden hat.


FAZIT: So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass kaum zu glauben ist, was hier ein einzelner Musiker und Sänger instrumental, kompositorisch und konzeptionell mit „The Watcher“ vorlegt. Der Gitarrist der NEAL MORSE-Band, ERIC GILETTE, beweist jedenfalls, dass er mit diesem symphonisch-progmetallischen Konzept-Album „The Watcher“ im Grunde ein Album, das seinem 'Chef' entspricht, gänzlich allein einspielen könnte, um damit gleich noch im Theater der Träume seiner amerikanischen Landsleute aufzutreten. Sogar die Suche nach dem Sinn des Lebens – zum Glück nicht mit der ausschließlichen Erkenntnis, dass diese im Morse-Sinne nur in Gott liegen könnte (auch wenn der am Ende akustisch und hymnisch mit ins Spiel gebracht wird) – wird gestellt und überzeugend beantwortet: „A whisper forms and now He speaks / In the silence I can be / And fade to stillness once again...“

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 43x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Part 1: The Sleeper
  • I: Overture
  • II: The Stillness
  • Part 2: The Watcher
  • III: Signal Within
  • IV: Beneath The Mask
  • V: The Watcher Remains
  • Part 3: The Vessel
  • VI: The Night Beneath It All
  • VII: Torn And Tried
  • Part 4: The Reflection
  • VIII: Shifting Light
  • IX: The One That Sees It All Alive
  • X: Fade To Stillness

Besetzung:

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