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Robert Reed: Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut (Review)

Artist:

Robert Reed

Robert Reed: Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut
Album:

Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut

Medium: Download/CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Tigermoth Records/Just For Kicks
Spieldauer: https://robertreed.bandcamp.com/music
Erschienen: 02.10.2026
Website: [Link]

Wenn uns – obwohl die Sommerzeit noch gar nicht vorbei ist – schon die Weihnachtsmänner aus den Ladenregalen anlächeln (Vielleicht schafft's man ja irgendwann, die noch neben den verbliebenen Schokoladen-Osterhasen aufzustellen, damit der Übergang fließender ist...), dann wissen wir: Es ist Weihnachtszeit!
Zeit um sich schonmal um die Geschenke und die passenden Naschereien zu kümmern, denn schließlich schmecken Spekulatius auch ab August schon so richtig gut. Nun ja – und damit man sich nicht nur kulinarisch ganz der Feiertagsstimmung hingeben kann, sondern auch akustisch, gehört natürlich die passende Musik dazu.


Als Freund des Progressive Rocks hatte man in längst vergangenen Zeiten diesbezüglich noch große Probleme, da sich knallharte Progrocker dann eben doch vor kitschigen Weihnachtsalben scheuten, aber auch diese Zeit ist seit den Zweitausendern längst vorbei, spätestens seitdem die transsibirische Weihnachtseisenbahn regelmäßig (und tatsächlich pünktlich) mit dem TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA und ihren symphonisch rockenden, Weihnachtsgeschichten erzählenden Konzeptalben durch die weihnachtliche Weltgeschichte fährt, hat sich auch der himmlische, etwas pathetische aber nach und nach immer besser und schöner klingenden Weihnachtssound in den Progressive Rock erfolgreich eingeschlichen.

Was lag da nicht näher, dass ein musikalischer Prog-Tausendsassa wie ROBERT REED, der „Sanctuary“-Mann, der den OLDFIELD manchmal fast besser kann als dieser selber, sich in ganz ähnlicher Weise wie besagtes Orchester der Weihnachtszeit hinzugeben.


Doch da Reed alle musikalische Extreme ausschöpfen will und dabei einen ungemeinen Ehrgeiz entfaltet, muss es im ganz großen Stil geschehen – mit Progressive Rock (Logisch!), großem Orchester (Erwartbar!), vielen Sängern (Selbstverständlich!), irisch Traditionellem vom Dudelsack bis zur Flöte (Wer Reed und seine Leidenschaft für Oldfield und dessen früheren Mitstreiter LES PENNING kennt, wird garantiert auch das erwarten!), einer melodramatische Geschichte samt erzählerischen Passagen (Das gehört doch zu jeder echten, auch musikalischen Weihnachtsgeschichte selbstverständlich mit dazu, wobei hier Reeds Bruder Steve die Story übernimmt!), echte OLDFIELD-Parallelen (Die müssen auf einem Weihnachtsalbum unter Federführung eines ROBERT REED zwingend notwendig sein!), Arien- und Opernhaftes (Hier hätte Mr. Reed vielleicht nochmal darüber nachdenken sollen!) sowie Weltmusikalisches (Bei solchem Fest im Grunde ebenfalls unverzichtbar, vor allem zu Zeiten, in denen andere Religionen und deren Fanatiker die größte Feier von Jesu Geburt abgrundtief verachten und diese sogar so weit ausbreiten, dass eins ihrer besonderen Amok-Anschlagsziele Weihnachtsmärkte sind!) und natürlich die namhaftesten Gäste aus der progressiven Szene, die längst Musikgeschichte (mit)schrieben, wie STEVE HACKETT von GENESIS oder JAKKO JAKSZYK + MEL COLLINS von KING CRIMSON und NICK BARRETT von PENDRAGON sowie GAVIN HARRISON von PORCUPINE TREE und viele, viele mehr.


Genau das sind die Zutaten, die ROBERT REEDs KOMPENDIUM und dessen 2012er-Debüt ausmachten, das nun als ein dann doch tatsächlich beachtlicher „Director's Cut“ erstmals unter dem Namen ihres 'Machers' als monumentales Konzeptalbum anno 2026 erneut erscheint – und zwar völlig neu abgemischt, stellenweise neu arrangiert und mit ganz neuen Gastbeiträgen versehen, sodass hier nun die endgültige 77 Minuten lange Neufassung vorliegt.

Nun ja. In diesem Moment sollte auch der Kritiker mal persönlich werden und in sich gehen, der vor gut 14 Jahren gemeinsam mit einem weiteren Kritiker die ursprünglichen Version, besprochen und ziemlich verrissen hat, allerdings dies auch ausgiebig zu begründen versuchte. Verblüfft stelle ich heute fest, dass diese Review im Laufe der 14 Jahre schon mehr als zehntausendmal gelesen wurde. Damit gehören der Herr König und ich jedenfalls nicht zu denen, die im Promoschreiben zu „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“ mit folgenden Worten bedacht werden: „Mit 'Beneath The Waves' knüpft ROBERT REED an die großen, erzählerischen Konzeptalben der 1970er-Jahre an. Das ursprünglich 2012 veröffentlichte und von der Kritik begeistert aufgenommene Werk...“ Unsere Begeisterung kannte jedenfalls so einige Grenzen, die KOMPENDIUM weihnachtlich berauscht überschritten.


Doch nun kommt's.
Entweder bin ich in den letzten 14 Jahren altersweise geworden und habe begriffen, dass Prog eben kein so festes Konstrukt ist, wie es deren – so wie ich einst – Musik-Prediger keinesfalls abgeändert oder von gewissen Standards abweichend verstanden wissen wollen, weil die Prog-Jünger eben die angeblich anspruchsvolleren Hörer sind, oder diese Neuauflage hat, mit dem entsprechenden Abstand betrachtet, eine echte weihnachtsprogressive Ausstrahlung erhalten, die eben den Freigeist Reed und dessen Absicht hinter „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“ ein überzeugendes Antlitz verleiht. Was würde also zu dieser ehemaligen Kritiker-Einstellung besser passen, als dieses eindeutige „Humbug!“ eines Ebenezer Scrooge aus CHARLES DICKENS' „A Christmas Carol“.


Auch machte mich ein Kommentar in unserem Gästebuch nachdenklich, der durchaus völlig gerechtfertigt in Verbindung zur Review mit dem Album war und die Frage aufwarf, ob die weihnachtliche KOMPENDIUM-Absicht dahinter einfach zu stark der Kritiker-Vorstellung von Progressive Rock hintangestellt worden war. Jedenfalls schrieb FA sehr passend: „Hab' das Ganze erst nach den Feiertagen bekommen und etwas wirken lassen müssen. Am Ende kann ich ein Zitat aus dem Fazit mit einem Schmunzeln voll unterstreichen: 'Schwülstig, melodramatisch, pathosschwanger und komplett überladen – wie ein sich unter Unmengen von elektrischen Kerzen, Weihnachtskugeln und -sternen sowie Lametta gefährlich biegender Weihnachtsbaum' ... und es ist genau das, was ich von diesem Projekt erwartet hab' & mir daran Spaß macht ;)“. Genau hier liegt der Osterhase im Pfeffer und der Weihnachtsmann in der Weihnachtskrippe begraben. Wenn man Progressive Rock mit den Feierlichkeiten zu Christi Geburt vereinen will, dann muss es wohl so „schwülstig, melodramatisch, pathosschwanger und komplett überladen“ klingen wie „Kompendium – Beneath The Waves“. Man muss eben als Freund des Progressive Rock nur in der entsprechenden Weihnachtsstimmung sein, wenn man diese ja nicht außer Acht lässt, um sich mit dem Album und den Reed-Absichten hinter „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“ auseinanderzusetzen.


Darum folgen wir besser der Absicht von ROBERT REED, der nunmehr auch seinen Namen für das damals noch nur als KOMPENDIUM veröffentlichte Album zur Verfügung stellt. Denn Reed versteht KOMPENDIUM als sein Herzensprojekt, an dem er bereits 2012 schon über drei Jahre arbeitete und das ihn nie wirklich losließ, bis es endlich zu diesem endgültigen „Director's Cut“ kam, aus dem man deutlich die Leidenschaft und Liebe des MAGENTA-, CYAN-, CHIMPAN-A- und natürlich „Sanctuary“-Kopfes heraushört. Denn all seine Bands und musikalischen Solo-Ausflüge finden nun unüberhörbar auch den Zugang in diesem weihnachtlichen Monumental-Werk „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“, auf dem diesmal gar der vielen sicher aus RICK WAKEMANs „Journey To The Center Of The Earth“ und „The Myths And Legends Of King Arthur“ bekannte, von DAVE STEWART dirigierte, ENGLISH CHAMBER CHOIR mitwirkt und die symphonische Dimension des Albums zusätzlich auf die Spitze treibt.

Übrigens galt ROBERT REED als musikalische „Kompendium“-Inspiration die gigantische JEFF WAYNE-Vertonung von „War Of The World“, der dabei besonders auf MOODY BLUES-Mitglieder zurückgriff und ebenfalls in ganz großem Stil mit Orchester und Chor arbeitete.
Dass damals Reed zum ganz großen Kompendium-Schlag noch ein wenig der Mut fehlte und der eine oder andere Kompromiss bei der breiten Musiker-Vielfalt eingegangen werden musst, hörte man anno 2012 noch. Nunmehr aber im deutlich längeren „Director's Cut“ setzte er wortwörtlich kompromisslos seine Ideen, Gedanken und Kompositionen mithilfe auch der modernsten Technik um, vollendete die damals noch unvollendeten Stücke und präsentiert „Kompendium – Beneath The Waves“ genau so, wie es schon immer gedacht war.


Obwohl ich allerdings nach wie vor mit den männlichen wie weiblich gesungenen Opern-Arien noch immer nichts anfangen kann („Il Tempo È Giunto“), sie aber Reeds Vorstellungen entsprechen, wozu er klar feststellt, dass dies im Grunde für ihn das „beste Album, das er jemals geschaffen hat“, geworden ist, kann man auch hier mitgehen, selbst wenn in diesem Falle die Begeisterung etwas gedämpft wird.


Egal!
Mit „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“ steht uns schon jetzt eine großartige musikalische Weihnachtszeit bevor!


FAZIT: Endlich bekommt das vorweihnachtliche Album „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“ den Namen vorangestellt, der als dessen geistiges, kompositorisches und musikalisches Oberhaupt die Weihnachtsmann-Mütze aufhat und dieses opulente Werk aus Progressive Rock, Orchestralem, Symphonischem, Keltischem, Weihnachtlichem, Oldfieldschem und, und, und... in jahrelanger Arbeit entwickelt und mit einer illuster-namhaften Gästeschar verwirklicht hat: ROBERT REED. Im Sinne von Waynes gigantomanischen „War Of The World“-Vertonung beschert uns ROBERT REED mit „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“ seine deutlich überarbeitete Version des 2012er-Ursprungswerks, das so klingt wie Dickens „The Winter Carol“ als Film wirkt. Spannend und voller Liebe für das Weihnachtsfest und Musik, die mehr ist, als bloße Unterhaltung oder vorweihnachtliche Kaufhausbeschallung. Statt einem Verriss großes Lob für „Kompendium – Beneath The Waves – The Director's Cut“, das seinen finalen Höhepunkt in dem himmlischen Duett „Reunion“ findet, das allein schon unter jedem Weihnachtsbaum dieser Welt vor der Bescherung gespielt werden sollte.


Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 51x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Exordium
  • Lost
  • Lilly
  • My Soul Laid Bare
  • Mercy Of The Sea
  • Stars
  • The Storm
  • Beneath The Waves
  • The Calling
  • Sole Survivor
  • Alone
  • Il Tempo È Giunto
  • A Moment Of Clarity
  • One Small Step
  • Reunion

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
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