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Colosseum: XI (Review)

Artist:

Colosseum

Colosseum: XI
Album:

XI

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Progressive- , Blues- und Jazz-Rock

Label: Repertoire Records
Spieldauer: 47:08
Erschienen: 21.03.2025
Website: [Link]

Sie haben sich längst das Motiv ihres vor einer Mauer in die Höhe springenden Mannes der kultigen Live-Platte aus dem Jahr 1971 zum Logo gemacht, an dem der Kenner sofort feststellt: Hier gibt’s wieder ein (Meister-)Werk von COLOSSEUM zu erstehen, zu hören, zu genießen und natürlich zum leidenschaftlichen in der Vergangenheit-Schwelgen. Dieses Mal ist es also ganz schlicht als „XI“ benannt, doch die Musik dahinter ist mal wieder die ganz große Nummer, die aus „XI“ alles herausholt, was man von großartigem, progressiv ausgerichteten Jazz-Rock erwartet.

Und das besonders Schöne hinter diesem Cover ist, dass COLOSSEUM auch anno 2025 noch genau das Musik-Feeling verbreiten, wie sie's bereits vor über einem halben Jahrhundert taten. Oh ja, wer heutzutage zu COLOSSEUM greift, der darf sich darauf verlassen, Jazz Rock mit jeder Menge Seele – eben auch Soul und Blues – geboten zu bekommen, der mit zum Besten gehört und überdeutlich die Siebziger wiederaufleben lässt, wohingegen eine topmoderne Produktion alle noch so hohen Standards der Gegenwart erfüllt. Und auch bei der Gestaltung der CD im Digipak samt einem zum Poster zu entfaltenden 18-seitigen Booklet (leider ohne Texte, dafür aber mit ganzseitigen Bildern jedes einzelnen Musikers) setzt man ebenso hohe Standards.

So ist der Einstieg in das Album mit der knallharten, ein wenig funkigen Jazz-Rock-Nummer „Not Getting Through“ dann gleich bestens gewählt.


Zu 100% ehren die neuen/alten COLOSSEUM auch auf dem schlicht mit „XI“ betitelten Album das Andenken ihrer bereits verstorbenen, die Band prägenden Stammmitglieder Jon Hiseman und Dick Heckstall-Smith, aber auch das der ebenfalls verstorbenen Barbara Thompson, denn ein Kim Nishikawara ist die ideale Wahl am Saxophon. Und sogar die gemeinsame Tochter von Hiseman und Thompson, Ana Gracey Hiseman, erhält hinterm Mikro gleich beim besagten Album-Opener ihren Einsatz. Und damit wird sie ihrem 'himmlischen' Vater natürlich eine der größten Freuden überhaupt bereiten und vollendet den Satz, den sie zu seinem Tod im Juni 2018 formulierte: „Mein Vater war einer der lebensfrohsten und lebendigsten Menschen, die ich jemals kannte. Es beruhigt mich, dass er niemals ein Alter erreichte, das ihn gebrechlich werden ließ, auch wenn es oft viel schwerer ist, zu akzeptieren, dass er uns bereits für immer verlassen hat. Ich wünschte, ich könnte ihm das heute selber sagen...“
Nun also singt sie für ihn in dessen Band!

Leider folgte ihre Mutter – und ebenfalls Saxophonistin bei COLOSSEUM – Barbara Thompson, die lange Zeit an der Parkinson-Krankheit litt, dann im Juli 2022 ihrem Ehemann.
In diesem Falle trifft natürlich ein Song wie „No More Second Chances“ in all seiner unerbittlichen Klarheit und so einigen Blues- wie Soul-Tönen wortwörtlich mitten ins Schwarze.


Den Hauptanteil an den Kompositionen haben dieses Mal Gitarrist und COLOSSEUM-Urgestein CLEM CLEMPSON sowie Keyboarder NICK STEED, dessen Einfluss deutlich auf „XI“ zu hören ist. Das gilt für die sieben eigenen Stücke. Aber auch die beiden Cover-Songs passen sich bestens auf dem Album ein. Kein Wunder, denn schließlich stammen die Originale von VAN MORRISON („Ain't Gonna Moan“) und JACK BRUCE („Out Into The Fields“).

Mit dem knalligen „Hunters“ geht das Album ähnlich flott jazzrockend zu Ende, wobei speziell Gitarrist Clempson noch einmal ausgiebig seine Gitarrenkünste solistisch beweisen darf.
Ein schlicht rundum großartiges Album!


FAZIT: Heldenverehrung hin oder her! Was die im Jahr 1968 gegründeten und sich mehrmals reformierten COLOSSEUM auf „XI“ musik- wie soundtechnisch abliefern, verlangt absolute Hochachtung ab. Ein Album, das nach den besten Bandzeiten – die in den 70er-Jahren lagen – klingt und trotzdem ohne jeglichen übertriebenen Nostalgiefaktor mitten im Jahr 2025 ankommt und dabei wiederum Jazz- und Progressive-Rock mit Blues und Soul vereint und dabei voll ins Schwarze trifft. Chris Farlowe verleiht auch als nunmehr 85-jähriger Sänger der Band seine typische Stimme, während Saxophonist Kim Nishikawara das schwere Erbe seiner Vorgänger antritt und genau in deren riesigen Fußstapfen tritt und diese komplett ausfüllt. Ein unglaublich modernes wie an beste Traditionen anknüpfendes Album. Oder um es kurz zu machen: Mit „XI“ legen COLOSSEUM erneut ein Meisterwerk im Rahmen ihrer breit gefächerten Diskographie vor, die sogar nach der „Valentyne Suite“ mit einer neuen Suite aufwartet, in der wie neun Minuten lang in den Englischen Garten entführt werden.


Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1024x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Not Getting Through
  • Gypsy
  • English Garden Suite
  • Ain't Gonna Moan
  • Nowhere To Be Found
  • Won't Be Satisied
  • No More Second Chances
  • Out Into The Fields
  • Hunters

Besetzung:

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