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Mirah: Dedication (Review)

Artist:

Mirah

Mirah: Dedication
Album:

Dedication

Medium: LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Indie-Pop, Indie-Rock, Psychedelia, Cosmic American Music

Label: Double Double Whammy
Spieldauer: 40:45
Erschienen: 20.02.2026
Website: [Link]

MIRAH YOM TOV ZEYTLIN hat viel zu erzählen. Das liegt unter anderem daran, dass die inzwischen in Brooklyn ansässige Songwriterin bereits 1997 ihre Laufbahn als Musikerin startete – damals noch von Olympia im Staate Washington aus (der Stadt, in der auch CURT COBAIN und COURTNEY LOVE zur Schule gingen). Aufgrund ihrer kollaborativen Ader fand sie schnell Anschluss in der blühenden Indie-Szene der Westcoast, wo sie sich musikalisch etablierte und ständig weiterentwickelte. Seither hat sie 11 Alben und EPs unter eigenem Namen oder in Zusammenarbeit mit Freunden veröffentlicht.

Noch ihr letztes Interims-Projekt – das 2020er Re-Issue ihres 2000er Debüts „You Think It's Like This – But Really It's Like This“ - stand ganz im Zeichen dieser Verbindungen. So enthielt dieses Projekt nicht nur ein Remaster des Originals, sondern auch eine Tribute-Scheibe, auf der Freunde wie NANDI ROSE (HALF WIFE), JENN WASNER (FLOCK OF DIMES), MEG DUFFY (HAND HABITS), PALEHOUND, ALLISON CRUTCHFIELD, MADELINE KENNEY oder LAUREN RUTH WARD die Songs des Albums interpretierten.

Für ihr nun vorliegendes Album „Dedication“ ließ sich MIRAH nunmehr sieben Jahre Zeit, wofür es gewichtige Gründe gibt, von denen die Pandemie, der Tod ihres Vaters und vor allen Dingen die Geburt ihres Kindes die wichtigsten sind. Die Zwischenzeit seit ihrem letzten Album mit neuem Material („Understanding“ von 2018) hat die Songwriterin MIRAH jedenfalls dazu genutzt, die neu gesammelten Erfahrungen – seien sie gut oder schlecht – in einer herrlich unprätentiösen, anrührenden, sympathisch selbstironischen und angenehm bodenständigen songwriterischen Bestandsaufnahme zu verarbeiten.


MIRAH ist dafür bekannt, ihre Songs zwar alleine zu schreiben, aber bei den Aufnahmen im Studio gerne auf die Unterstützung von Freunden aus ihrem umfangreichen Bekanntenkreis zurückzugreifen. Auch auf dem neuen Album lässt sie sich demzufolge von einer Allstar-Cast unterstützen, zu der – neben ihrem musikalischen Partner ANDREW MCGUIRE - auch JENN WASNER (WYE OAK, FLOCK OF DIMES), und MEG DUFFY (HAND HABITS) gehören, die sich an den Instrumenten abwechselten und unterstützen ließen von der Violinistin ALEX GUY (LED TO SEA) und den Bläser-Spezies BENNY BOCK und JESSE MCGINTY. Nicht zuletzt aufgrund dieser ungewöhnlichen Zusammenstellung kommt das Album „Dedication“ so mit einer Vielzahl unterschiedlichster Klang- und Stil-Facetten daher.

Nicht sonderlich überraschend ist dies, denn im Laufe der letzten 20 Jahre testete MIRAH so ziemlich alle Facetten des Indie-Pop an und hat kein Problem damit, jedem Song sein eigenes musikalisches Mäntelchen anzupassen. Wenn sie dabei mal wie diese oder jene Kollegin klingt, liegt das vermutlich daran, dass sie mit mit vielen von ihnen bestens bekannt ist. Letztlich sind es aber die Geschichten, die das musikalische Bild des jeweiligen Songs bestimmen, wobei es nicht darum geht, das Rad neu zu erfinden.

Das Album kam zustande, als MIRAHs Partner ANDREW MCGUIRE sie zu einer einwöchigen Privat-Residenz in sein Studio in L.A. einlud, um sie aus dem Alltagstrott des hektischen Familienlebens herauszulösen und ihr Raum zu geben, sich ganz auf das Schreiben von Songs zu konzentrieren. Wie sich herausstellte, war diese Auszeit dann genau das, was es brauchte, um ihre Songwriting-Ambitionen zu befeuern. In dieser Woche entstanden genau die Songs, welche nun das Album „Dedication“ ausmachen.


MIRAH thematisiert hierbei das, was ihr Leben bestimmt und auch in den letzten Jahren ausmachte. Sei es etwa die angesprochene Residenz selbst – die sie in der Americana-Ballade „After The Rain“ anspricht – oder aber persönliche Dinge wie den Tod des Vaters in dem anrührenden letzten Track „New Jersey Turnpike“, der ihre Heimkehr nach New York als werdende Mutter zum Inhalt hat. Das Thema wird auch in dem Song „Mama Me“ aufgegriffen, in dem sie auf gebrauchspoetische Weise das Wunder des Mutter-Seins artikuliert und ihrem Kind die Welt erklärt. Oft kommt es ja vor, dass konfessionelles Songwriting dieser Art sich in Klage- und Anklage-Traktaten, in Selbstmitleid und rührseligem Lamentieren ergehen, was im Falle von „Dedication“ in keiner Weise der Fall ist. Hier lernen wir eine sympathische Songwriterin kennen, die nichts Besonderes vom Hörer will – und vielleicht gerade deswegen viel von sich selbst preisgibt. Der 'Rolling Stone' bezeichnet MIRAH als „Indie-Rock-Folk-Sängerin, die zwischen kindlicher Verwunderung und reifer Weisheit schwankt“. Das trifft auch auf dieses Album zu, wobei MIRAH hier die rechte Balance zwischen beiden angesprochenen Qualitäten gefunden zu haben scheint.

Die musikalische Umsetzung folgt, wie bereits erwähnt, dem erzählerischen Anliegen. Während MIRAH mit Tracks wie „I Am The Bride Of Frankenstein“ oder „Stumbling“, welche die täglichen Reibungen in Beziehungen zum Inhalt haben, klanglich eher auf den Spuren von SHARON VAN ETTEN oder COURTNEY BARNETT wandelt, beginnt „Mama Me“ zunächst als nachdenklicher Folksong, gerät dann aber in Form eines Southern-Swing-Walzers mit Bläsersätzen und Saxophon-Solo zu einer jubilierenden Hymne an das Leben als solches.
Das Wiegenlied „Hummingbird“ kommt hingegen im Gewand eines sparsam arrangierten Songbook-Klassikers mit atmosphärischen Flöten-Sounds daher. Das munter pulsierende „Catch My Breath“ überrascht als Power-Pop-Track im 80's-Sound, der in einer besseren Welt Chart-Potential hätte, während „Do You See Me“ zunächst mit Americana-Flair und im Abgang mit Chamber-Pop-Qualitäten überzeugt.

In fast allen Tracks ist dann auch Raum für Cosmic-American-Music-Elemente, die den Songs (oft mittels psychedelischer Steel-Guitar-Sounds) zumindest auf der musikalischen Ebene eine über das Klischee hinausgehende, bewusstseinserweiternde Wirkung verleihen. Schade eigentlich, dass diese Stimmung dann nicht auch durch entsprechende Videos unterstützt wird. Hier läge dann aber auch wirklich der einzige Kritikpunkt an diesem ansonsten brillanten Album.


FAZIT: „Dedication“ von MIRAH ist eines jener Alben, die sich Freunde des gediegenen Indie-Pop-Songwritings getrost auf die einsame Insel mitnehmen können, denn es bietet so ziemlich alles, was das Genre nach wie vor attraktiv macht. Zudem klingt das Ganze zugleich irgendwie vertraut wie auch musikalisch neugierig (und somit für den Zuhörer spannend), denn alles ist sehr charmant, authentisch und handwerklich kompetent in Szene gesetzt. MIRAH und ihre Freunde wissen genau, was sie tun, ohne dabei clever wirken zu wollen – und genau diese Ungezwungenheit hört man ihrem Projekt auch deutlich an.

Ullrich Maurer (Info) (Review 32x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • The Ballad Of The Bride Of Frankenstein
  • Stumbling
  • To Me
  • After The Rain
  • The Beginning Of Time
  • Catch My Breath
  • Do You See Me
  • Hummingbird
  • New Jersey Turnpike

Besetzung:

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