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Dirk Darmstaedter: The Sound My Mind Makes (Review)

Artist:

Dirk Darmstaedter

Dirk Darmstaedter: The Sound My Mind Makes
Album:

The Sound My Mind Makes

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Sophisticated-Pop, Pop-Rock, Eighties-Pop, Indie, Gitarrenpop

Label: Beg Steal & Borrow
Spieldauer: 41:00
Erschienen: 06.03.2026
Website: [Link]

„Ich habe es nie darauf angelegt, Erfolg zu haben - aber auch nie darauf, keinen Erfolg zu haben. Ich habe mein ganzes Leben versucht, top Songs zu schreiben, die sofort im Radio laufen könnten, zu denen die Menschen mitsingen, tanzen, sich küssen können. Songs, die ihnen in ihren schwersten Zeiten helfen könnten. So wie es gute Popsongs bei mir immer getan haben."

Dieses vorbildhaft für große künstlerische Integrität stehende Zitat stammt von DIRK DARMSTAEDTER, er hat es dieser Tage im ungefähr vierzigsten Jahr seiner Musiker-Laufbahn so geäußert. "The Sound My Mind Makes" hat er die neue Platte betitelt, und bei einem wie ihm ist man sofort gespannt, welche Kopf-Klänge da wohl zu hören sind. Denn, gleich mal vorweg: Es gibt hierzulande nicht viele bessere, versiertere, anspruchsvollere Singer-Songwriter als den Hamburger (mir fällt, ehrlich gesagt, spontan keiner ein).


Dieser Multiinstrumentalist, Band- und Solo-Musiker, Produzent, Label-Gründer (Tapete Records) und Rundfunk-Moderator (Radio Bremen) hat seit dem hitträchtigen "Brand New Toy"-Start als Frontmann von The Jeremy Days (1988) mit international anschlussfähigen Sounds (für For-Fans-Of...-Freunde: Lloyd Cole, Elvis Costello, R.E.M., Nick Lowe, Crowded House, Grant McLennan, Paddy McAloon) Großes für den Pop-Standort Deutschland geleistet. Und sich dabei nie verbogen oder angebiedert, sondern immer seine eigene künstlerische Vision von klassischem "Sophisticated Pop" (oder auch mal einen spannenden Seitenweg) verfolgt.

Da passt es, dass DIRK DARMSTAEDTER nun ein weiteres Ausrufezeichen setzt: "The Sound My Mind Makes" ist hohe Pop-Kunst, das reife, kluge Meisterstück des 61-Jährigen. Faszinierend schon allein, dass er diese opulente, mit produktionstechnischen Reizen zu keiner Sekunde geizende Solo-Platte wirklich völlig solo eingespielt hat. „Yep. Diesmal ist es wirklich so", sagt DARMSTAEDTER im Musikreviews-Interview auf eine entsprechende erstaunte Frage. „Es wird auch wieder andere Zeiten geben, andere Alben, bei denen ich mit Freunden zusammenarbeite - aber diesmal wollte es eben genau so sein."


Wenn man beispielsweise "I Was In Love With New York City" hört, eine wunderbare Hommage an die Musik-Weltstadt am Hudson River, textlich angereichert durch melancholische Erinnerungen an die eigene New-York-Zeit in den 80ern und cleveres Namedropping (The Belmonts, The Crystals, The Shangri-Las, Tom Verlaine, Debbie Harry, John Lennon) - man mag es kaum glauben, dass da im Studio nur ein einziger Musiker am Werk war. Dieser Song, ein großäugiger, euphorischer, juveniler Big-Apple-Kniefall in der Tradition von "New York, New York" (Frank Sinatra) oder "Hey Manhattan!" (Prefab Sprout), ist ganz sicher eines der Highlights von "The Sound My Mind Makes", auch einer der bewegendsten Songs der Karriere von DIRK DARMSTAEDTER.

Andere Lieder begeistern nicht weniger. Der Titelsong und Opener, mit Anspielungen auf berühmt-berüchtigte Grummeltypen wie Lou Reed und Van Morrison, lüftet gleich mal kräftig durch: „Obwohl ich mir alle paar Monate einen News-Detox aufzwinge, gelingt es mir nur selten, die Welt mit all ihren Kriegen, Katastrophen und Sorgen kurzfristig rauszuhalten, um mal wieder etwas Luft zu bekommen", sagt der Musiker. „Als es darum ging, den Sound für diesen Zustand zu finden, war mir klar, dass es ein poltriger, knarziger Track sein müsste - denn trocken und aufgeräumt klingt das eben nicht in meinem Kopf."


Auch "Dark Times" spiegelt die derzeitige Weltlage wider, es geht um „diese gefühlte Ohnmacht vor den Ereignissen. Ich sehe das bei mir selbst und bei vielen meiner Freunde und Freundinnen. Ein trotziger Song. Mein 'I Won't Back Down' (Tom Petty), höchstwahrscheinlich." Was insgesamt auffällt: Die zehn Lieder des regulären Albums sind ungemein gefällig, ohne mit aller Macht gefallen zu wollen. DIRK DARMSTAEDTER fasst es so zusammen: „Erstmal das machen, was ich höre, fühle, denke - und weniger das, was andere vielleicht erwarten oder hören wollen."

Letztendlich sei es ihm immer darum gegangen, „Platten zu machen, die ich mir als Hörer selbst wünschen würde. Und Popmusik darf eben auch mal ambitioniert, sperrig - hier darf jeder sein eigenes Adjektiv einsetzen – sein." Ob das am Ende kommerziell erfolgreich ist, wird dann zur Nebensache. Der Song "Perfect At Being Imperfect" passt (ähm...) perfekt in dieses Bild. Wichtig ist DARMSTAEDTER auch und gerade angesichts der Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz „das Menschliche, die Imperfektion. Perfektion kann jetzt wirklich jeder. Also - noch mehr Mut zur Imperfektion. Das heißt nicht, dass ich mir keine Mühe mehr geben muss, einen Song zu schreiben und einzuspielen - ganz im Gegenteil. Aber so klingen wie Coldplay oder eine fette L.A.-Produktion? (...) Damit kann man keinen mehr beeindrucken."


"The Sound My Mind Makes" ist nicht nur in punkto Kompositionen, Arrangements, Produktion ein sehr eigenständiges, sehr ambitioniertes "Opus magnum", sondern auch in den Lyrics. "Love Is A Kind Of Poison" fällt ein wenig aus dem Rahmen neben all den durchaus dunklen, bangen Gedanken des DIRK DARMSTAEDTER ("Ash & Gold", "What Was Lost In The Fire"). Dies sei „so ziemlich der einzige Song auf dem Album, wo es um Beziehungen geht, denke ich. Liebe als das, was uns festhält, runterzieht - und trotzdem weitermachen lässt. Romantik mit offenen Augen, sozusagen."

Das neue DARMSTAEDTER-Album folgt auf diverse liebevolle Cover-Projekte ("Covers Six" ist gerade via Bandcamp erschienen) und die Konzert-Comeback-Platte "Live At Rockpalast 2022" von THE JEREMY DAYS. Dieser Musiker war und ist auch im reiferen Singer-Songwriter-Alter so fleißig und wuselig unterwegs, dass man glatt den Überblick verlieren könnte. Und das dürfte auch so bleiben: „Außer meiner Familie und meiner Gesundheit sind das die Sachen, die am meisten zählen."


Es sei „wirklich schwer, anderen zu erklären, was die Musik mir bedeutet, mir immer wieder gegeben hat - und warum es einfach unmöglich für mich ist, damit aufzuhören", sagt DIRK DARMSTAEDTER im Interview. „Von daher ist diese Platte natürlich auch eine Liebeserklärung an den Prozess des Songschreibens, an den Kampf mit den Instrumenten und der Technik, um das Ganze dann so festhalten zu können, wie ich es in meinem Kopf höre." The sound Dirks mind makes eben.


FAZIT: Dies sei „wahrscheinlich die stärkste Ansammlung von Songs, die ich seit Jahren aufgenommen habe. Zumindest fühlt es sich für mich so an", sagt DIRK DARMSTAEDTER über seine neue, seine x-te Soloplatte "The Sound My Mind Makes". Und er hat Recht. Diese zehn neuen Lieder sind so klug, so ausgereift und, ja, einfach nur wunderschön, dass der Hamburger seine typische norddeutsche Bescheidenheit gern mal kurz beiseite schieben darf. Ein Singer-Songwriter-Sophisticated-Pop-Juwel aus Deutschland, und, wie eigentlich immer bei diesem außergewöhnlichen Künstler, auf Augenhöhe mit den Besten seiner Zunft.

Werner Herpell (Info) (Review 85x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • The Sound My Mind Makes
  • Perfect At Being Imperfect
  • Dark Times
  • In The Rhye
  • I Was In Love With New York City
  • Ash & Gold
  • What Was Lost In The Fire
  • Love Is A Kind Of Poison
  • Give It Time
  • What I Could Never Find Was Me

Besetzung:

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