Partner
Services
Statistiken
Wir
Midge Ure: A Man Of Two Worlds (Review)
| Artist: | Midge Ure |
|
| Album: | A Man Of Two Worlds |
|
| Medium: | CD/Download/Do-LP | |
| Stil: | Pop, Indie, Art Rock, Alternative |
|
| Label: | Chrysalis Records, Proper/Bertus Musikvertrieb | |
| Spieldauer: | 75:14 | |
| Erschienen: | 08.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
Ganz ehrlich: Ein dermaßen ambitioniertes und vielschichtiges sowie grundverschiedenes Doppel-Album hätte man anno 2026 dem heute 72-jährigen ULTRAVOX-Kopf MIDGE URE absolut nicht zugetraut.
Es sind tatsächlich zwei unterschiedliche Welten, in die uns MIDGE URE auf „A Man Of Two Worlds“ entführt und in der einen wie der anderen lebt er sich voller Leidenschaft aus.
Nun ist es am Hörer, seine Entscheidung zu treffen, ob er lieber mit dem guten Midge in der vokalen oder dem ebenso guten Ure doch der rein instrumentalen Welt lebt. Oder eben beide gleichermaßen genießt.
Sehr wahrscheinlich ist es allerdings, dass diejenigen, welche die lange Zeit markante Stimme von ULTRAVOX lieben, wohl die zweite Welt (und damit die zweite LP „World Two – Songs“) bevorzugen werden.
Tauchen wir trotzdem, ganz der Absicht von MIDGE URE entsprechend, zuerst in die erste LP-Welt „World One – Music“ ein.
Hier erwartet uns ein sehr melancholischer und extrem düster Beginn der Instrumental-Platte, die allerdings ein paar weibliche Vokalisen enthält. Traurig, bedrückend und erhaben zugleich wirkt dieser Teil – irgendwo zwischen ENO und MICHAEL ROTHER (der als ausgewiesenes Vorbild von ULTRAVOX gilt) angesiedelt.
Hier lernen wir also die extrem dunkle Ure-Seite kennen. Dystopisch und weltuntergangsschwanger. Zudem völlig ungewohnt und verblüffend für ein Album des ULTRAVOX-Sängers.
Und wie nah sich MIDGE URE noch immer bei seiner seit 2013 nicht mehr existierenden Band befindet, beweist bereits der Titel dieser Doppel-LP, der sich garantiert auf den gleichnamigen, ebenfalls ziemlich düsteren ULTRAVOX-Song bezieht.
Doch wer sich schon genauer mit ULTRAVOX beschäftigt hat, dem sollte spätestens seit „Dancing With Tears In My Eyes“ bewusst sein, dass die Weltuntergangsszenarien bei ULTRAVOX und MIDGE URE nichts wirklich Neues sind.
Trotzdem nimmt einen die instrumentale Musik sofort gefangen und entführt uns in ein Tal der Tränen. Das gilt übrigens für den gesamten Teil der „LP 1: World One – Music“.
Sofort denkt man an die Atmosphäre, in die uns vor geraumer Zeit in den 1980er-Jahren noch ULTRAVOX bedrückten, als sie uns mit Tränen in den Augen mitten hinein in den Tod tanzen ließen. Einer – besser noch DER – beste und zugleich problematischste Song der Band, welcher zwar nach einer Liebesballade klingt, aber den nuklearen Endschlag und die Frage: „Wie und mit wem verbringe ich die letzten Minuten meines Lebens?“, zum Thema hat. Basierend auf einem tatsächlich wahren Ereignis, das Anfang der 1980er-Jahre aufgrund eines Computerfehlers den nuklearen Endschlag von der russischen Seite aus zur Folge hätte haben können, wenn diesen ein besonnen entscheidender Verantwortlicher (Sein Name Stanislaw Petrow; eigentlich ein Name den man nie hätte vergessen dürfen, aber längst vergessen hat!) nicht seinem Bauchgefühl statt strengen Befehlen folgend verhindert hätte.
Genau diese Stimmung zwischen Apokalypse und Trauer erwartet den Hörer auf „LP 1: World One – Music“ von „A Man Of Two Worlds“.
Summa summarum ist die Welt, die uns MIDGE URE auf seiner ersten LP aus rein instrumentalen Klängen erschafft, extrem finsterer Minimalismus, der atmosphärisch ähnlich klingt wie die Vertonung einer Grabesszeremonie inmitten einer nächtlichen Gemeinschaft, die das Sonnenlicht meidet. Nichts für schlichte, auf Spaß angelegte Gemüter, sondern mehr für die ewig depressiven Grübler, die nur im Schatten statt im Licht nach den Antworten ihrer Lebensphilosophien suchen. Und ja, wir wissen im Grunde, warum gerade diese erste LP so schaurig und bedrückend klingt – und wir sollten es niemals vergessen. Denn die Aufnahmen entstanden während der Covid/Corona-Epidemie, bei der wir allesamt einer Isolation unterworfen waren und jeder, der auf seine Freiheitsrechte bestand, von Politik und der Masse ihrer Hörigen mit rigiden Mitteln zum Schweigen gebracht wurde. Eine orwellsche Welt aus „1984“, die uns mit aller Gewalt die Macht von Politik und Medien vorführte – und die als erstes das Messer bei der Kultur ansetzten. MIDGE UREs Gefühlswelt während dieser Zeit jedenfalls dürfen wir auf „LP 1: World One – Music“ in ihrer ganzen bedrückenden Art und Weise nachhören, wobei ein Stück wie „The Other Side“ nicht nur vom Titel her exemplarisch ist.
Und damit wären wir auch schon mitten in der Welt Nummer zwei. Denn auch diese ist musikalisch wie textlich recht düster und bedrückend gehalten – offenbart aber immer wieder deutliche 80er-Parallelen Richtung ULTRAVOX.
Ure schreit darin den Mond an („Shouting To The Moon“), aber weiß, dass am Ende alles nur miss- und unverstandene Worte bleiben („Just Words“) und nach wie vor – wie bereits bei der zerstörerischen in „Dancing With Tears In My Eyes“-Katastrophe – die Welt noch immer auf dem Spiel steht („World Away“), noch immer von allen Seiten bedroht ist, noch immer am seidenen Faden hängt.
Melodramatische Hymnen erheben sich mitten hinein in einen dunklen Nachthimmel ohne Mond uns Sterne („Somewhere Out There“), auf der Suche nach genau dem Typen, der einem der Seele beraubt („The Man Who Stole Your Soul“), um sich am Ende gänzlich den Flammen zu ergeben, die man selbst entfacht hat („Fan The Flame“): „And through all the cries / Through your thin disguise / Paper promise lies / With those words you brought / Without mind or thought / You lay the blame / And fan the flame“.
Nicht gerade versöhnlich dieses Ende.
Doch ein versöhnliches Ende würde auch nicht zu „A Man Of Two Worlds“ passen. Es ist nachdenklich. Es ist traurig. Es ist bedrückend. Es hat etwas von der Apokalypse, die einem Ures Band bereits 1984 mit dem als Liebesballade missverstandenen Song entwarf, in dem man mit Tränen in den Augen dem Tod durch Neutronenbomben entgegentanzte. Wer mit genau diesen Stimmungen Musik hören kann oder möchte, die mächtig tief geht, der ist bei „A Man Of Two Worlds“ von MIDGE URE bestens aufgehoben.
FAZIT: Ganze 12 Jahre mussten die Freunde und Fans der ULTRAVOX-Stimme auf ein weiteres musikalisches Lebenszeichen von MIDGE URE warten. Dieses kommt allerdings als „A Man Of Two Worlds“ extrem ungewöhnlich und in dieser Art garantiert unerwartet daher. Gleich als Doppel-LP in einem Pappschuber mit zwei kompletten, völlig eigenständig wirkenden Alben, die tatsächlich zwei unterschiedliche (insgesamt aber bedrückend und ziemlich melodramatische) Welten beleuchten. Die erste auf „LP 1: World One – Music“ wurde von der Covid-Pandemie geprägt und ist extrem düster, bedrückend und minimalistisch. Genau so wie die Pandemie als solche. Die zweite auf „LP 2: World Two – Songs“ setzt genau diese Atmosphäre – dieses Mal mit Gesang und ähnlich bedrückenden Texten sowie ein klein wenig mehr Hit-Appeal, das nach wie vor musikalisch und stimmlich an ULTRAVOX erinnert, fort. Wem also die dunkle Seite der Musik zusagt, die mehr auf den Untergang als alles Himmelhochjauchzende setzt, der wird mit „A Man Of Two Worlds“ seinen Frieden schließen können, selbst wenn diese Doppel-LP nach zwölfjähriger Wartezeit – auch vom Sound her – doch eher Enttäuschung als Offenbarung ist.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- LP 1: World One – Music (34:19)
- Seite A (16:55):
- A Different View (4:14)
- The Space In-Between (4:24)
- Hearing The Invisible (3:57)
- Just Below The Surface (4:20)
- Seite B (17:24):
- The Dimming Light (4:49)
- The Other Side (5:52)
- Blues And Greys (3:24)
- The Pictures You Carry With You (3:19)
- LP 2: World Two – Songs (40:55)
- Seite A (22:20):
- Just Words (5:49)
- World Away (5:18)
- Shouting To The Moon (5:19)
- Caught In Te Middle (5:54)
- Seite B (18:35):
- Ordinary Man (Precious Moments) (4:51)
- Somewhere Out There (4:14)
- The Man Who Stole Your Soul (5:13)
- Fan The Flame (4:17)
- A Man Of Two Worlds (2026) - 9/15 Punkten
-
keine Interviews
Kontakt
