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Sari Lightman: The Way I Saw You (Review)

Artist:

Sari Lightman

Sari Lightman: The Way I Saw You
Album:

The Way I Saw You

Medium: LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Folk-Pop

Label: Night Bloom
Spieldauer: 30:25
Erschienen: 26.06.2026
Website: [Link]

Warum sich bislang keine reguläre Website der in Los Angeles lebenden, kanadischen Songwriterin SARI LIGHTMAN findet, hat einen bestimmten Grund – denn schon bevor LIGHTMAN das von ihrer Freundin MEG DUFFY (HAND HABITS) produzierte Debüt-Album „The Way I Saw You“ im Stile einer klassischen, zeitlosen Folkscheibe einspielte, war sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester ROMY LIGHTMAN in der kanadischen Musikszene hauptsächlich unter dem Projektnamen TASSEOMANCY, zuvor aber auch als GHOST BEES und seit 2024 auch als LIGHTMAN & LIGHTMAN bzw. heutzutage als LIGHTMAN SISTERS unterwegs.

Mit klassischem Folk hatten diese Projekte allerdings bestenfalls am Rande zu tun, da die LIGHTMAN-Schwestern hier auf experimenteller Basis mit elektronischen Mitteln und avantgardistischen Indie-Pop-Arrangements arbeiteten. SARI LIGHTMANs Ziel hingegen war es, mit dem jetzt vorliegenden Solo-Debüt den großen „Folk-Troubadouren“ wie etwa LEONARD COHEN, BRIDGET ST. JOHN oder JOHN PRINE ihre Ehrerbietung zu erweisen.

Hierbei ging es der usikerin erkennbar nicht darum, den Stil oder das Format der Vorgenannten zu emulieren (es gibt z.B. keinerlei Country-Sounds auf dem Album), sondern im Geiste der Vorgänger zu agieren. SARI LIGHTMAN bemerkt hierzu: „Diese Lieder sind mein Versuch, eine Silhouette zu zeichnen – die Gestalt eines Menschen, die flüchtig und intim wirkt; eine beiläufige Momentaufnahme des Lebens, aus der meine Lieblingslieder stammen.“

Um diese Absicht zu verwirklichen, war es notwendig, sich vom experimentellen Charakter der Schwestern-Projekte zu lösen, um sich speziell den Folk-Aspekten zu widmen. Es gibt also eine weitestgehend akustische Instrumentierung, angelischen Harmonie-Gesang (bei dem dann MEG DUFFY den Platz von ROMI LIGHTMAN einnahm), ein hippieskes Dreampop-Setting mit leichten Psychedelia-Akzenten und etwas Cosmic-American-Laurel-Canyon-Flair.


Eine echtes Solo-Album ist „The Way I Saw You“ dennoch nicht geworden, denn in Songs wie „The Way I Saw You“, „The Prize“ und besonders „Rose Is In Greece“ unterstützen SARI LIGHTMAN neben der Produzentin/Gitarristin MEG DUFFY auch Bassist PAUL KELLY und Schlagzeuger EVAN CARTRIGHT (aus der Band von DUFFYs Projekt U.S. GIRLS, der zuvor auch schon mit den LIGHTMAN SISTERS zusammenarbeitete) – sodass in diesen Fällen ein subtiler Band-Sound entsteht (im Falle von „Rose“ gar einer mit elektrischen Gitarren).

Einzig bei dem bereits von den LIGHTMAN SISTERS aufgelegten Track „Give It All Up“ greift sie auf die Ästhetik des experimentellen Pop-Duos zurück und implementiert neben den organischen Folk-Elementen auch hier elektronische Sounds (wenngleich weniger exaltiert als zu vor).


Was dieses Projekt auf der musikalischen Seite von 'normalen' Folk-Veröffentlichungen absetzt, sind weniger die Details in Sachen Arrangements oder Stilistik, als vielmehr die liberale und oft unerwartete Art, in der LIGHTMAN und DUFFY (welche die Stücke gemeinsam konzipierten) mit Melodien und insbesondere Harmonien umgehen. Die Erwartungshaltung, die man an Songs, welche in einem Folk-Setting angelegt sind, haben könnte, werden daher immer wieder durch ungewöhnliche Twists und Wendungen konterkariert, was zur Folge hat, dass „The Way I Saw You" - zuungunsten einer direkten Zugänglichkeit - auf längere Sicht unendlich interessanter und langlebiger ausfällt, als ein konventionelles Folk-Album; ein Kunststück, das nur gewieften Songwritern gelingt.


Inhaltlich verwebt SARI LIGHTMAN urbane Folklore [das Cover zeigt sie als Sasquatch (Bigfoot)], Mystik, historische Referenzen, die Beziehung zu ihrer Schwester und politische Bezüge zu einem vielschichtigen lyrischen Kompendium, das Außenstehende nur schwerlich durchdringen können. Schließlich geht es hier um flüchtige und intime Silhouetten – und nicht konkrete Fakten oder geradlinige Narrative. Daher gibt es viel zu entdecken in der lyrischen Wunderwelt der SARI LIGHTMAN, wenngleich eher in Form von Ahnungen und Andeutungen.

Dass SARI LIGHTMAN in ihren Songs historische Figuren wie die feministische Autorin EVE BABITZ, die unter ihrem Künstlernamen SOEUR SOURIRE bekannt gewordene singende Nonne JEANNINE DECKERS oder die in in Auschwitz ermordete jüdische Intellektuelle ETTY HILLESUM in fiktiven Gesprächen über grundlegende philosophische Ideen diskutieren lässt, muss niemand wissen, erklärt aber die dennoch schwer fassbaren Referenzen ihrer poetischen Texte. Kleiner Hinweis: ETTY HILLESUM ehrten die LIGHTMAN SISTERS auf ihrem 2024er Album „Sister Smile“ bereits mehrfach, indem sie eine mythische Linie zwischen Dachau, Guantanamo Bay und Palästina konstruierten und so die Gegenwart und die Geschichte miteinander verbanden.


FAZIT: Mit dem Album „The Way I Saw You“ gelingt der in Los Angeles lebenden, kanadischen Songwriterin SARI LIGHTMAN auf der musikalischen Seite die Transition ihres bisherigen musikalischen Ansatzes in ein anderes musikalisches Setting und auf der inhaltlichen Seite ein vielschichtiges Gewebe lyrischer, philosophischer und metaphorischer Bilder, mittels denen SARI LIGHTMAN einen (wie sie selbst sagt) voyeuristischen Blick auf das Thema 'Frau sein' wirft.

Ullrich Maurer (Info) (Review 50x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • The Way I Saw You
  • The Prize
  • Day Of Just Cause
  • Girl Bitten By A Lizard
  • Etty
  • Give It All Up
  • Rose Is In Greece
  • Soon Came The Evening

Besetzung:

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