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Liv Solveig: Everything I Didn't Say (Review)
| Artist: | Liv Solveig |
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| Album: | Everything I Didn't Say |
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| Medium: | CD/Download/LP farbig | |
| Stil: | Singer/Songwriter, Chamber Pop, Neoklassik, Synthie-Pop, Indie-Folk |
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| Label: | Listen Records | |
| Spieldauer: | 29:04 | |
| Erschienen: | 24.04.2026 | |
| Website: | [Link] |
Der Name LIV SOLVEIG wird bisher zwar noch nicht in einem Atemzug mit einer ALIN COEN oder ULLA MEINECKE genannt, aber spätestens nach „Everything I Didn't Say“ spürt man genau diesen musikalischen Odem bereits. Zudem kommt gerade durch „Für immer“ eine weitere hochinteressante Parallele hinzu: die vor einem Jahr verstorbene AnNa R. von ROSENSTOLZ.
Also: Was hat uns LIV SOLVEIG singend zu sagen? Und was nicht?
Hier ist der Versuch einer Antwort...
Zwischen Hoffnung und Zweifel liegt mitunter nur eine kurze Wegstrecke, wenige Noten und Texte, vereint in zehn Songs, entfernt – und mit unter 30 Minuten vinyler Laufzeit viel zu kurz.
Dafür gibt es im Inneren der LP eine fein bedruckte Hülle mit allen Texten, die insgesamt nicht nur poetisch, sondern auch sehr intim und persönlich gehalten sind.
Schon der Album-Opener gibt die Atmosphäre wieder – ein brodelnder Vulkan, der Zeit braucht, um auszubrechen. Dann aber sein musikalisches Lava breit in der Pop- und Singer/Songwriter-Landschaft verbreitet – explosiv und verträumt zugleich: „An explosion inside, a volcano / A quiet dream / Loud enough to break my barriers and wounds...“
Oder die melodramatische Ballade „Void“, die erst von einem alten Piano bestimmt und dann von fetten Streichersätzen in regelrecht klassisch-symphonische Gefilde erhoben wird: „Drifting in a sea of silence / Is there anyone here? […] Only echoes inside of me.“ Das ist ganz großes Kino! Hier kommt zudem offensichtlich die norwegische Atmosphäre ihrer Herkunft zum Tragen. Es ist nicht der einzige nordische Aspekt, der im Verlauf der zehn kurzen Songs (zwischen zwei und dreieinhalb Minuten) auftaucht, deren besondere Melodramatik mit dem traurigen „Unborn“ ihr Ende finden.
LIV SOLVEIG setzt allerdings auf eine deutlich stärkere musikalische wie textliche Vielfalt, indem sie nicht nur zwischen Indie-Folk (mit viel Geige), Art- sowie Synthie-Pop und Liedermacherei hin- und hertänzelt, sondern auch mehrsprachig (englisch, deutsch und norwegisch) singt, womit wir der großartigen ALIN COEN wiederum sehr nahestehen, wobei fast abzuwarten bleibt, ob diese mit ihrem in Kürze erscheinenden Album mit „Everything I Didn't Say“ mithalten kann. Jedenfalls verheimlicht uns Frau Solveig wohl so einiges, wie wir bereits aus dem Albumtitel erfahren. Eins ist aber kein Geheimnis, sondern eher eine traurige Tatsache: das Album erreicht noch nicht einmal eine halbstündige Laufzeit. Schade, denn selbst in den wiederkehrenden Vinyl-Zeitaltern ist längst klar, dass man mindestens ohne jeglichen soundtechnischen Qualitätsverlust eine gute Dreiviertelstunde auf's schwarze Klanggold fräsen kann.
Dass besonders die beiden deutschen Songs viel Eindruck hinterlassen, ist des muttersprachlichen Gesangs wegen ein echter Pluspunkt. Neben „Für immer“ begeistert auch „Rüstung“, in dem es um die Verletzlichkeit einer Trennung geht, weil die eine Freiheit und die andere Nähe sucht – am Ende unvereinbare Wünsche, weswegen der Eine wie die Andere eine Rüstung anlegt, die man nicht mehr durchdringen kann, ähnlich einer Mauer, die man baut und die am Ende unüberwindbar hoch ist, während der ehemals geliebte Partner auf der einen und die ehemals geliebte Partnerin auf der anderen Seite steht. Eine schöne wie traurige Ballade zugleich. ALIN COEN lässt tatsächlich grüßen: „Wir haben 'ne Mauer gebaut / 'Ne Rüstung angelegt / Wir lös'n uns langsam auf / Bis nichts mehr von uns bleibt“.
Von „Everything I Didn't Say“ wird vieles bleiben. Das ist klar. Ein deutsches Album, welches das Zeug dazu hat, nicht nur anspruchsvolle Hörer, denen gute Musik mit guten Texten wichtig ist, zu erobern, sondern auch im Radio-Mainstream ein angesagte Rolle spielen könnte, selbst wenn man hierfür auf das stolz mit Rosen um sich werfende „Für immer“ setzen sollte.
FAZIT: Mit „Everything I Didn't Say“ bläst die deutsch-norwegische Liedermacherin LIV SOLVEIG mit Hang zum Indie-Folk und Chamber-Pop bis hin zur Neoklassik zum (leider nur halbstündigen) Angriff auf die ganz großen Damen der deutschstämmigen Liedermacherinnen-Szene – irgendwo zwischen ALIN COEN und ULLA MEINECKE, wobei gerade in den beiden deutschen Songs sogar etwas ROSENSTOLZsche Intimität verbreitet wird und immer wieder eine Geige für melancholische Stimmungen sorgt. Ein Album für die nachdenklichen Momente, in denen man über seine Ohren gleichermaßen den Kopf wie den Bauch befragt.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Seite A (14:40):
- Volcano (3:05)
- So It Is (3:08)
- Warrior And Wolf (3:16)
- King And Queen (2:23)
- The Void (2:48)
- Seite B (14:24):
- And Me Inbetween (2:45)
- Rüstung (2:36)
- Our Dance (3:26)
- Für immer (3:20)
- Unborn (2:17)
- Bass - Roland Meyer de Voltaire
- Gesang - Liv Solveig
- Gitarre - Roland Meyer de Voltaire
- Keys - Liv Solveig, Roland Meyer de Voltaire
- Schlagzeug - Gidon Carmel, Roland Meyer de Voltaire
- Sonstige - Liv Solveig (Geige)
- Everything I Didn't Say (2026) - 11/15 Punkten
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