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Alice Merton: Visions (Review)

Artist:

Alice Merton

Alice Merton: Visions
Album:

Visions

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Alt-Pop, Indie-Rock, Singer/Songwriter

Label: Paper Plane Records int.
Spieldauer: 40:15
Erschienen: 16.01.2026
Website: [Link]

Begriffe wie 'Stil' oder 'Genre' waren ALICE MERTON noch nie wirklich wichtig. Schon als sie 2016 mit ihren Songs zunächst als Live-Musikerin reüssierte, hatte sie sich von ihren ursprünglichen musikalischen Anfängen als Jazz- und Blues-Croonerin abgesetzt und überzeugte mit einem eben nicht genau einzugrenzenden, organischen Power-Pop-Ansatz - vor allen Dingen aber mit ihren autobiographischen Lyrics, mittels derer sie ihr Leben als Musikerin anschaulich darlegte. Lange bevor sie 2018 ihr Debüt-Album „Mint“ realisierte, hatte sie bereits über ihren Song „No Roots“ die Weichen für ihre Karriere als Indie-Musikerin gestellt und (damals noch ohne Label) einen soliden Single-Hit vorzuweisen.

Die nächste Phase der Kosmopolitin mit dem irisch-deutsch-kanadisch-englisch-französischen Hintergrund (der letztlich der Grund für den Song „No Roots“ darstellte) war dann eine der Konsolidierung. Nachdem Gespräche mit Major Labels nicht von Erfolg gekrönt waren, gründete sie ihr eigenes Label Paper Plane Records int., auf dem sie bis heute ihr Material in Eigenregie vermarktet. Touren durch die USA, England und den Rest von Europa machten die quirlige Künstlerin nicht nur hierzulande, sondern auch international zu einem veritablen Pop-Star.


Mit der EP „Heron“ richtete ALICE MERTON als Texterin den Blick nach innen und schrieb über ihre Befindlichkeiten als rastloses „Run Away Girl“. Das jetzt vorliegende dritte Studioalbum „Visions“ beschäftigt sich mit ihren (künstlerischen) Visionen und dem Thema Empowerment. Die aktuelle Songsammlung zeigt eine kämpferische Künstlerin, die in der Verweigerung von Konventionen und Erwartungshaltungen immer noch die Triebfeder und Motivation für ihr Leben als selbstbestimmte – nun ja „Visionärin“ – sieht. In den Songs mit Titeln wie „Visions“, „Mirage“, „Coasting“ oder „On The Wire“ geht es im Wesentlichen darum, an sich selbst zu glauben, den eigenen Eingebungen und Bauchgefühlen zu folgen und den Zweiflern und Kritikern mit dieser Attitüde den Wind aus den Segeln zu nehmen.


Das erklärt zudem die Sturm & Drang-Mentalität, mit der sie und ihr Komponisten-Team das ganze Werk in Form energiegeladener Up-Tempo-Nummern mit lediglich einer einzelnen, regelgerechten Ballade („Landline“) inszenieren. Fast schon ein wenig zu viel des Guten, denn so präsentieren sich nahezu alle Songs auf demselben performerischen Energielevel, welches sich für den Hörer dann eher überwältigend als mitreißend darstellt.


Als zweite Inspirationsquelle greift ALICE MERTON in Songs wie „Cruel Intentions“ oder „Joyride“ auf Beziehungsdramen zurück, die sie ebenfalls mit kämpferischer Empowerment-Note inszeniert. Und letztlich sind es Erinnerungen an Reise-Anekdoten, mit denen sie in Tracks wie „Willow Trees In Tokyo“, „Jane Street“ oder „Marigold“ das Bild der genau beobachtenden Songwriterin ergänzt. Dabei begeistert die englische Muttersprachlerin - wie stets – mit geschickt platzierten umgangssprachlichen Details, Aphorismen und Begrifflichkeiten, welche Künstlern, die ihre Texte erst ins Englische übersetzen, schlicht und ergreifend abgehen.

Visions“ kommt letzten Endes ohne jegliche aufgeblasene Marketingstrategien musikalisch als eher zeitloses Old-School-Pop-Album daher, bei dem der Handmade-Charakter des von ausgebufften Studio-Musikern eingespielten Materials trotz aller produktionstechnischer Raffinessen greifbar im Raum steht.




FAZIT: Dass ALICE MERTON mit einer ganzen Schar von verschiedenen Songwritern und Produzenten (in London, L.A. und Island) zusammenarbeitete, führt dazu, dass die Kompositionen auf „Visions“ zuweilen zu überladen und vielschichtig und die Arrangements zu unübersichtlich ausgefallen sind. Weniger wäre hier in künstlerischer Hinsicht zuweilen mehr gewesen. Einzig der unverwechselbare, oft gedoppelte oder mit Chören augmentierte Gesang ALICE MERTONs macht das Album zu einer typischen MERTON-Show, weil vieles von dem, was den Song „No Roots“ derzeit auszeichnete, erneut auf diesem Album zu finden ist.

Ullrich Maurer (Info) (Review 46x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Ignorance Is Bliss
  • Coasting
  • Cruel Intentions
  • Boogie Man
  • Mirage
  • Jane Street
  • On The Wire
  • Willow Trees In Tokyo
  • Joyriding
  • Landline
  • Marigold

Besetzung:

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