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L.A. Witch: DOGGOD (Review)
Artist: | L.A. Witch |
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Album: | DOGGOD |
|
Medium: | CD/LP/Download | |
Stil: | Psychedelia, Surf-Rock, Darkwave, Garage-Rock, Kraut |
|
Label: | Suicide Squeeze | |
Spieldauer: | 31:43 | |
Erschienen: | 04.04.2025 | |
Website: | [Link] |
„DOGGOD“ ist das dritte Album des aus SADE SANCHEZ, IRITA PAI und ELLIE ENGLISH bestehenden Psych-Rock-Trios L.A. WITCH aus Los Angeles. Obwohl: Ein singulärer Begriff wie „Psych-Rock“ wird dem, was die drei Damen hier präsentieren, nun langsam wirklich nicht mehr gerecht. Wie Texterin/Sängerin SADE SANCHEZ erklärt, ging es auf dem neuen Album musikalisch nämlich darum, sich von den bisher dominierenden Surf-Rock- und Westcoast-Roots der Band zu lösen, sich stärker auf die europäischen Inspirationsquellen zu beziehen – und sich dabei statt von den bisher favorisierten 60's- und 70's-Sounds in Richtung der 80er-Jahre zu bewegen. Zu diesem Zweck begaben sich L.A. WITCH dann in das Motorbass-Studio in Paris (wo sich SADE SANCHEZ sowieso einen Großteil des Jahres aufhält), um dort dann auch zusätzlich die historischen und mythologischen Vibes der alten Welt aufzugreifen. „Wir haben in den USA ja so etwas nicht“, meint SADE SANCHEZ, „bei uns gibt es ja nur Disneyland.“
Das alles führte dazu, dass „DOGGOD“ nun tatsächlich wesentlich 'europäischer' klingt, als die bisherigen, eher punkig/rauen Alben „L.A. Witch“ und „Play With Fire“. Zwar gibt es auch hier noch klassische Retro-Psychedelia wie gleich beim Opener „Icicle“ - aber dann sind da eben auch Songs wie „777“, „The Lines“ oder den Titeltrack „DOGGOOD“, die mit dem Flair des legendären 'Factory-Sounds' des Produzenten MARTIN HANNET daherkommen und mit ihren Sounddesigns an britische Acts wie SIUOXSIE & THE BANSHEES, THE CURE oder JOY DIVISION erinnern. Das geht mitunter so weit, dass L.A. WITCH auf diesem Album Retro-Gitarreneffekte und das ARP-Solina-String-Ensemble-Keyboard einsetzen, welches den Sound von JOY DIVISION in Songs wie „Love Will Tear Us Apart“ nicht unwesentlichen prägte.
Auch der Titel des Albums „DOGGOD“ bezieht sich auf eine eher europäisch geprägte Mythologie. Die Idee hinter diesem Titel besteht darin, über die Ambivalenz des Palindroms „DOGGOD“ eine symbolische Beziehung zwischen göttlichen Hundefiguren, wie dem Zerberus und der weiblichen Resilienz, und spiritueller Stärke im Angesicht der Unterdrückung im Allgemeinen herzustellen. Das Cover und das Video des Tracks „777“ nehmen zusätzlich Bezug auf Jeanne D'Arc – eine der nachweislich ersten 'Bad Bitches' der Historie.
Ansonsten aber geht es auf dem Album auch viel um die Liebe und den Tod – und zwar im Sinne von HEINRICH VON KLEIST, der den eigenen Freitod als romantische Geste zelebrierte. Sanchez stellt diesbezüglich fest, dass nach ihrer Sicht die Liebe und das Leiden als sich bedingende, komplimentierende Teile des Ganzen gesehen werden müssen und in der Verlorenheit sogar ein Ideal gesehen werden kann. In anderen Songs, wie „The Lines“ - eine Reflexion über die Lebenslinien der Handleserei – oder „Lost At Sea“, geht es des Weiteren um die Vorbestimmtheit und die Hingabe an das Schicksal. Überraschend dabei ist insgesamt sowohl das thematisch breitgefächerte Angebot als auch die Tatsache, dass sich eine Band, die vor allen Dingen aufgrund ihrer intensiv/immersiven Live-Shows und ihren rauen Rocksound berühmt geworden ist, sich überhaupt die Mühe gibt, ihr Material mit so viel philosophischem Unterbau zu versehen.
Die Freunde klassischer Psych-Sounds kommen natürlich weiterhin voll umfänglich auf ihre Kosten – obwohl die musikalische Diversifizierung auf diesem Album klar im Vordergrund steht. Insbesondere Tracks wie das wavige „The Lines“, der Closer „SOS“, der musikalisch auch auf einem frühen THE CURE-Album nicht fehl am Platze gewesen wäre, oder das um eine – ausnahmsweise ein mal cleane, hypnotische – Gitarrenlinie ohne Effekte organisierte, folkige „Lost At Sea“ lassen in dieser Hinsicht aufhorchen. Der Einsatz des erwähnten Solina-Synthesizers ist dabei dann sozusagen der Zuckerguss auf dem Kuchen des Sounddesigns.
Das dritte Album „DOGGOOD“ des Trios L.A. WITCH ist – dank der Einbeziehung neuer musikalischer und spiritueller Inspirationen - mit Sicherheit das bislang abenteuerlustigste und somit vielseitigste geworden. Dass dabei dennoch keine muntere Pop-Platte herauskommen konnte, liegt offensichtlich am Leitmotiv des gesamten Albums: der Auslotung der Zusammenhänge zwischen der Liebe, dem Leiden und dem Tod. Genau die Themen eben, die SADE SANCHEZ als Songwriterin in spiritueller Hinsicht am Herzen liegen. „Worüber soll man denn sonst schreiben?“, wischt sie mögliche Bedenken in dieser Hinsicht vom Tisch, „So düster das alles auch sein mag – es geht mir in erster Linie darum, ehrlich zu sein.“
Sehr viel authentischer, aufrichtiger und verletzlicher hätte das Album „DOGGOD“ demzufolge nicht ausfallen können.
FAZIT: Mit dem Album „DOGGOD“ weitet das Trio L.A. WITCH sein Angebot in musikalischer und inhaltlicher Hinsicht deutlich aus und bleibt dennoch weiterhin den Noir-Aspekten seines Tuns verpflichtet. Sowohl für Fans des ursprünglichen Retro-Psychedelia-Westcoast-Sounds als auch solche, die in der Hinwendung zu den europäischen Inspirationsquellen eine deutliche stilistische Weiterentwicklung erkennen können, dürfte das Album eine echte Offenbarung darstellen.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Icicle
- Kiss Me Deep
- 777
- I Hunt You Pray
- Eyes Of Love
- The Lines
- Lost At Sea
- DOGGOD
- SOS
- Bass - Irita Pai
- Gesang - Sade Sanchez
- Gitarre - Sade Sanchez
- Schlagzeug - Ellie English
- DOGGOD (2025) - 12/15 Punkten
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