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CASTLE ROCK FESTIVAL 2018 - Schloss Broich, Mülheim an der Ruhr - 30.06.2018

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CASTLE ROCK 2018

Schloss Broich, Mülheim a.d. Ruhr, Samstag, 30.06.2018

Seit mittlerweile 19 Jahren findet auf dem idyllisch gelegenen Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr ein kleines, aber feines Dark Rock/Gothic Festival statt, das seinesgleichen sucht. Immer Anfang Juli trifft sich eine seit den Anfängen immer größer werdende Fangemeinde, um im Schatten der geschichtsträchtigen Mauern ein außergewöhnliches Musikfestival zu feiern.

Die Line-Ups der letzten Jahre lesen sich wie ein Who is Who der Zugpferde eines Genres, das sich fest im Schatten des Mainstream etabliert hat und in Zeiten von Castingwahnsinn und Bierzeltseeligkeit einen wohltuenden Gegenpol bildet.

Bands wie SALTATIO MORTIS, DELAIN, SUBWAY TO SALLY, OOMPH!, AMORPHIS, LETZTE INSTANZ, UNHEILIG und ENSIFERUM gaben sich in den letzten Jahren ein Stelldichein am Schloss in Sichtweite der Ruhr.

Und auch in diesem Jahr hat es Patron Michael Bohnes wieder geschafft, ein hochkarätiges Programm auf die Beine zu stellen, das mit EVERGREY, PAIN und LACUNA COIL Bands von internationalem Format aufbieten kann.

Eigentlich hätte ich gern von beiden Festivaltagen berichtet, was aber aufgrund terminlicher Schwierigkeiten nicht möglich war.

SEELENSTURM

Los geht’s am zweiten Festivaltag bei besten Bedingungen traditionell mit Lokalmatadoren aus der näheren Umgebung, denen die Veranstalter die Möglichkeit geben, ihr Können einem größeren Publikum vorzustellen. Den Anfang machen in diesem Jahr die Jungs von SEELENSTURM aus Düsseldorf /Langenfeld.

Die Reaktionen des Publikums zeigen, dass die schon zahlreich vorhandene Fanbase an diesem Tag wohl um einiges wachsen wird. Titel wie „Wohin Gehst Du“, „Mensch“ oder „Seelensturm“ bleiben sofort im Ohr.

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ANOTHER TALE

Während der Umbaupause bietet sich die Möglichkeit, die Location zu genießen und im schon traditionell bunt gemischten Publikum nach bekannten Gesichtern zu suchen. Dann wird es sentimental, denn die eingefleischten Kenner der lokalen Szene wissen um die Geschichte von ANOTHER TALE, die sich schon seit einer gefühlten Ewigkeit verfolgen lässt.

Seit vor mittlerweile fünfzehn Jahren Komponist, Texter und Frontmann in Personalunion, Frank Peter Hermsen, nach langer Krankheit starb, wurde es still um die Jungs, bis sich die Band in diesem Jahr dazu entschließen konnte, die Songs von damals wieder auf die Bühne zu bringen. Dass diese nichts von ihrer Wirkung verloren haben, kann man an den Gesichtern im Publikum erkennen, das den gesamten Auftritt über die Jungs frenetisch feiert.

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GODEX

Bei hochsommerlichen Temperaturen betreten im Anschluss die Jungs von GODEX die Bühne, deren Frontmann Tommy Tom, gesanglich in unmittelbarer Nähe von VILLE VALO der Band HIM anzusiedeln ist und mit seiner Ex-Band THORA im Jahr 2004 schon live in Wacken zu sehen war.

Mit ihrem neuen Album im Gepäck liefert die Dark Rock Formation einen überzeugenden Auftritt ab, der ausgesprochen gut ankommt und vermuten lässt, dass der Weg der Band in der nächsten Zeit weiter nach oben gehen könnte. Vor allem der Ohrwurm „Glory Glitter And Gold“ bleibt nachhaltig im Gedächtnis.

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HEIMATÆRDE

Nach den ersten drei Bands wird es martialisch. Vorhang auf für die Jungs von HEIMATÆRDE, deren Maskottchen ein grimmig dreinblickender, blutüberströmter Ritter ist, der wild mit einer Streitaxt fuchtelnd über die Bühne tapert. Etwas gewöhnungsbedürftig, wie ich finde.

Die Musik hingegen ist deutlich angenehmer und verbreitet in der Menge großartige Stimmung, was angesichts der unbarmherzig brennenden Sonne dafür sorgt, dass Schweiß und Bier in Strömen fließen. Mit dem Titel „Die Erde Verdreht Sich“ haben die Mannen um Ashlar von Megaton einen echten Hit im Köcher, der auf dem Festivalgelände für lang anhaltenden Beifall sorgt. Gut nur, dass Ashlar von seinem damaligen Vorhaben, nicht live zu spielen, Abstand genommen hat.

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THE BEAUTY OF GEMINA

Weiter geht es mit der Alternative- / Dark Wave- / Indie- / Rock- / Gothic- Formation THE BEAUTY OF GEMINA aus der Schweiz. Angeführt von ihrem begnadeten Songwriter Michael Sele, servieren die fünf Musiker eine hervorragend abgestimmte Mischung der oben genannten Genres und begeistern das Publikum mit Melodien, die einem die Gänsehaut den Rücken herunter jagen. „The End“, ein extrem starker Titel, balanciert zwischen Rockeinflüssen mit ZZ TOP - artiger Rhythmus-Gitarre, sparsam eingesetztem Gesang, dezenten Keyboards und einem pumpenden Groove, der in einen starken Chorus mündet. Ein Highlight des Tages.

Mit „Crossroads“ erzählt Michael Sele eine Geschichte, die jeder wohl schon einmal erlebt hat. Irgendwann findet man sich an einem Scheideweg wieder und man muss eine endgültige Entscheidung treffen, wie es weiter gehen soll. An dieser Stelle klingen THE BEAUTY OF GEMINA wie CHRIS REA zu seinen besten Zeiten. Die Resonanz im Publikum ist entsprechend euphorisch und begleitet eine in Hochform aufspielende Band durch den Gig.

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TANZWUT

Nachdem die letzten Töne verklungen sind, beginnen die Umbauarbeiten für TANZWUT, was Zeit zu einem Besuch an den wie immer stetig umlagerten Marktständen gibt. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt und die sehr zivilen Preise sind ein weiteres Charakteristikum des Festivals, auf dem es familiär zugeht und nicht, wie schon des Öfteren erlebt, kalt und auf Gewinnmaximierung abzielend.

Patron Michael Bohnes lässt es sich nicht nehmen, der schwitzenden Meute in den vorderen Reihen ein ums andere Mal fein versprühten Wassernebel zu verabreichen, was bei der immer noch starken Sonneneinstrahlung ausgesprochen dankbar angenommen wird.

TANZWUT kommen, wie nicht anders zu erwarten, in gewohnter Manier geschminkt und angeführt von dem umgänglichsten TEUFEL, den ich kenne, auf die CASTLE ROCK Bühne. „Schreib es mit Blut“, der Titeltrack des letzten Albums, kracht so richtig aus der PA und stellt die Zeichen auf Vollgas.

Die beiden Sackpfeifen werden in bewährter Art eingesetzt und akzentuieren den typischen TANZWUT-Sound, der hier im Schloßhof eine Menge Anhänger hat. „Steig Ein“, „Bruder Leichtsinn“, und „Reiter Ohne Kopf“ zünden unter Livebedingungen extrem gut und sorgen für strahlende Gesichter der Fans. Ein starker Auftritt.

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EVERGREY

Nun folgt mit EVERGREY eine Band, die Chefstratege Michael Bohnes nach eigener Aussage erst kürzlich für sich entdeckt hat und sofort den Wunsch in ihm aufkommen ließ, die Jungs aus Göteborg für das CASTLE ROCK Festival zu gewinnen. Gesagt – getan. Die Mannen um TOM ENGLUND entern die Bühne und mit den ersten Takten der Dark Melodic/Progressive Metaller wird klar, warum die Band seit Jahren über die Landesgrenzen Schwedens hinaus eine ständig wachsende Fanbase hat. Starke Melodien sind eingebettet in knallharte Riffs, der treibende Groove der Rhythmusfraktion um Bassmann Johan Niemann und Drummer Jonas Ekdahl tut ein Übriges.

Die Stimmung könnte nicht besser sein und „A New Dawn“ zeigt Facetten einer Band, die sichtlich Spaß auf der Bühne hat und vor Spielfreude nur so strotzt. Ein weiteres Feuerwerk wird mit „The Grand Collapse“ abgebrannt, das in einer fantastischen Version in die Menge geblasen wird, während mit „Distance“ vom 2016er Album „The Storm Within“ die melancholische Seite der Band erklingt. Nach grandiosen 60 Minuten gehen die Schweden von der Bühne, nicht ohne das Versprechen abzugeben, bald wiederzukommen.

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LACUNA COIL

Zum Abschluss des Festivals geht es dann schminktechnisch noch einmal in die Vollen, denn mit LACUNA COIL betreten die Mailänder um Frontgirl Cristina Scabbia die Bühne. Markenzeichen der Combo: Reichlich weiße Schminke in den Gesichtern von Basser Marco Coti Zelati, Gitarrist Diego Cavallotti und Schlagzeuger Ryan Blake Folden sowie Theaterblut an den Händen bei Co-Leadsänger Andrea Ferro und im Gesicht sowie an den Händen von Frontfrau Cristina Scabbia, das Ganze ist halt als Gesamtkunstwerk zu betrachten.

LACUNA COIL kann man mit Fug und Recht als Urgestein in Sachen Alternative Metal bezeichnen, denn über zwanzig Jahre im Geschäft rechtfertigen dieses Prädikat mit Sicherheit.

Während mittlerweile die Abendstimmung das Festivalgelände in Besitz genommen hat, sprühen die Mailänder nur so vor Enthusiasmus, was sowohl mit der traumhaften Kulisse, wie es Cristina Scabbia mehrfach betont, als auch mit dem immer noch in Feierlaune befindlichen Publikum zusammenhängt.

CACUNA COIL mischen Klassiker wie „Heaven´s A Lie“ von 2002 mit Titeln wie „Delirium“ und „My Demons“ vom aktuellen Album zu einer explosiven Mischung, die die gesamte Bandbreite ihres Schaffens abbildet. Auch die Cover-Version des DEPECHE MODE Welthits „Enjoy The Silence“ wird gebührend zelebriert und wer bis zu diesem Abend noch nichts von den Mailändern gehört hatte, ist spätestens nach diesem Gig glühender Verehrer einer Band, die zwischen beinhart und melancholisch alle Register zieht. Nach dem grandiosen Finale mit „Nothing Stands In Our Way“ gibt es minutenlangen Applaus der restlos begeisterten Menge.

FAZIT: Das 19. CASTLE ROCK FESTIVAL in Mülheim Broich lieferte erneut den Beweis, dass Klasse immer über Masse triumphiert. Seelenlose Großveranstaltungen gibt es haufenweise. Festivals, die mit großem Enthusiasmus und Einsatzfreude eine Fangemeinde bedienen, die ihr Augenmerk auf Location, Gastlichkeit und das Event an sich legen, gibt es wenige, erfreuen sich aber, wie das CASTLE ROCK FESTIVAL deutlich macht, größter Beliebtheit.

Im nächsten Jahr wird das Festival, wie Organisator Michael Bohnes verlauten ließ, wegen großflächiger Umbau- und Renovierungsarbeiten, nicht auf dem Schlossgelände stattfinden können. Wie er allerdings von der Bühne herunter dem Publikum versprach, wird es 2019 ein „OUT OF CASTLE“ Festival geben. Nähere Informationen werden in den nächsten Wochen über die Facebookseite des Festivals bekanntgegeben, deren Link ihr unten findet.

LACUNA COIL Homepage

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Und hier gibt es die Fotoalben nach Künstlern sortiert:

SEELENSTURM Album

ANOTHER TALE Album

GODEX Album

HEIMATÆRDE Album

THE BEAUTY OF GEMINA Album

TANZWUT Album

EVERGREY Album

LACUNA COIL Album

Stefan Haarmann (Info)

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Live-Fotos

CASTLE ROCK FESTIVAL 2018 CASTLE ROCK FESTIVAL 2018 CASTLE ROCK FESTIVAL 2018
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