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Knorkator: Widerstand ist zwecklos (Review)

Artist:

Knorkator

Knorkator: Widerstand ist zwecklos
Album:

Widerstand ist zwecklos

Medium: CD/Download
Stil:

Rock

Label: Tubareckorz / Rough Trade
Spieldauer: 44:23
Erschienen: 13.09.2019
Website: [Link]

„Chaos, Krieg und Tod, Hyperinflation. Pest und Cholera, das ist der Untergang der Zivilisation …“ Auf ihrem neuen Album können KNORKATOR anscheinend nicht mehr stillhalten, sondern äußern sich erstmals eindeutig zu politischen Sachverhalten und verbreiten etwas Endzeitstimmung. Das heißt allerdings nicht, dass sie etwas von ihrer Exzentrik und Freude am Verschrobenen verloren haben.

Die Berliner sind nach wie vor eine heitere Rockband, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht, und beweisen auf "Widerstand ist zwecklos" auch erneut, dass sie zu den pfiffigsten Songwritern Deutschlands gehören. Dass es sich bei bei ihnen auch um ausgezeichnete Musiker handelt, muss man Kennern sicherlich nicht sagen, auch wenn humorvollen Künstlern oft vorschnell die Kompetenz abgesprochen wird.

Die "meiste Band der Welt" hat teilweise auf ältere Ideen zurückgegriffen, wobei sich Gitarrist Buzz Dee ausnahmsweise verstärkt als Komponist einbrachte, sowie Gäste wie Anna R. von Rosenstolz, Die Ärztes Rod Gonzales und Fanta-4-Rapper Thomas D. ins Studio eingeladen. Im Grunde genommen ändert sich an KNORKATORs Stil jedoch nichts, außer eben der textliche Schwerpunkt.

Das rotzige 'Revolution' gereicht der Gruppe mit kämpferischem Chorgesang zu einem standesgemäßen Einstieg und bildet mit dem ebenfalls kraftvoll riffenden 'Ein Wunsch' einen klassischen Doppelschlag zu Beginn. Die Männer von der Spree haben überraschenderweise dem 40 Jahre alte Gassenhauer 'Ring My Bell' einer Frischzellenkur unterzogen und auch Depeche Modes 'Behind The Wheel' waghalsig neu interpretiert, doch ausgerechnet diese beiden Nummern bilden die Schwachpunkte des Albums.

'Rette sich wer kann', eine nachdenklich machende Betrachtung moderner Rastlosigkeit am Limit mit bestechender laut-Leise-Dynamik, gehört hingegen zu den Highlights, genauso wie 'Am Arsch' eines der düstersten Stücke überhaupt in KNORKATORs Diskografie darstellt, auch wenn die Lyrics eindeutig augenzwinkernd zu verstehen sind. 'Was du gibst' beweist balladeske Qualitäten, obwohl es nicht als Schmachtfetzen im traditionellen Sinn durchgeht - aber was entspricht bei diesem Musikphänomen sowieso irgendwelchen Konventionen?

Vielleicht die Tatsache, dass die Band ihren Eigensinn kompromisslos auslebt und es dennoch schafft, eben nicht nur elitäre Avantgardisten für sich einzunehmen. Insofern ist und bleibt sie ein Ausnahmeprojekt, und man darf froh sein, dass solche Kreativität doch noch eine breitere Klientel besitzt.

Stumpens besondere Gabe, seine Stimme wie ein weiteres Instrument einzusetzen - lautmalerisch bzw. dem rhythmischen Unterbau angeglichen oder Melodien harmonisierend -, ohne sich hinsichtlich der Aussagen einzuschränken, die er mit seinen immerzu fantasievollen Texten trifft.

FAZIT: KNORKATOR auf gewohnt hohem Niveau - was soll man noch über diese Ausnahmeband schreiben außer gezielt auf "Widerstand ist zwecklos" bezogen, dass es ein trickreich in Szene gesetztes Deutschrock-Album von inhaltlich subtiler Brisanz ist? Kaufen, sich unterhalten lassen und trotzdem die grauen Zellen anstrengen!

Andreas Schiffmann (Info) (Review 993x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Revolution
  • Ein Wunsch
  • Ring My Bell
  • Rette sich wer kann
  • Am Arsch
  • Was du gibst
  • Buchstabensuppe
  • Untergang
  • Krieg
  • Behind The Wheel (Knorkator Version)
  • Zu kurz

Besetzung:

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Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Markus
gepostet am: 14.09.2019

User-Wertung:
15 Punkte

Sehr schöne Rezension.
Aber "Sie kommen" vom letzten Album war meiner Meinung nach das erste eindeutige politische Statement der meisten Band der Welt.
Ich finde das neue Album mega gut.
Markus
gepostet am: 14.09.2019

User-Wertung:
15 Punkte

Sehr schöne Rezension.
Aber "Sie kommen" vom letzten Album war meiner Meinung nach das erste eindeutige politische Statement der meisten Band der Welt.
Ich finde das neue Album mega gut.
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