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Cosma: Es hat alles seine Zeit (Review)

Artist:

Cosma

Cosma: Es hat alles seine Zeit
Album:

Es hat alles seine Zeit

Medium: CD
Stil:

Berliner Deutschrock aus der Hamburger Schule

Label: Aug & Ohr / H'art
Spieldauer: 48:02
Erschienen: 31.08.2012
Website: [Link]

Alles klar – ich oller Deutschlehrer würde natürlich auf den ersten Blick an diesem seltsam anmutenden Album-Titel rummeckern: Nicht „Es 'hat' alles“, sondern: „Es 'braucht' alles seine Zeit“! Denn Zeit braucht man, besonders immer dann, wenn man älter wird ;-) Wer Zeit hat, der muss ein kleines grünes Männchen sein, denn die Zeit ist Sekunde für Sekunde in Bewegung und hält nie an und sowie man sie hat, ist sie auch schon wieder verschwunden. Allerdings wäre solche Korinthen-Kackerei im Falle von COSMA ungerecht, denn hier macht sich eine junge deutsche Band tiefgründige Gedanken über sich und die seltsame Zeit, in der wir leben und in der man „im Überfluss schwimmt“ und „sich zu viel des Guten nimmt“.

COSMA, die sich selbst als „Fehler im System“ (Nachtgedanken) empfinden, sind fünf kritische, musikalische Zeitgenossen mit zeitkritischen Musik-Texten! Auch wenn bei „Wutbürger“ oder „Schnäppchenjägermeister“ der erhobene, belehrende Zeigefinger manchmal zu offensichtlich ist, haben ihre Texte oft viele nachdenklich machende philosophische Ansätze, die geschickt in ansprechende Lyrik verpackt werden.

Musikalisch bewegt sich „Es hat alles seine Zeit“, das bereits zweite Album von COSMA, geschickt in den verschiedenen Spielarten der Hamburger Schule, irgendwo zwischen KANTE, TOMTE und BLUMFELD. Aber auch KETTCAR oder DIE STERNE tauchen durchaus am COSMA-Horizont auf und manchmal kommen bei mir Ex-Ossi sogar Erinnerungen an einige alte DDR-Alben von NO55 oder KARAT auf. Ein vielfältiges Album, textlich wie musikalisch, ist „Es hat alles seine Zeit“ allemal geworden.

„Phantomschmerz“ klingt beispielsweise anfangs ein wenig wie „Helden“ von DAVID BOWIE und entwickelt sich besonders durch das Duett mit LILLI BORN von ANSTATT BLUMEN sowie einen Chor zum Höhepunkt des Albums! Aber auch der dem Album seinen Namen verleihende Song zeichnet sich durch tolle Melodien und einen hervorragenden Text aus.

„Kennst du das auch“, „Im Moment“, „Nachtgedanken“ und „Phantomschmerz“ werden außerdem mit Geige, Bratsche und Cello um zusätzliche Streicherpassagen bereichert, die den Songs eine angenehm warme Atmosphäre verleihen.

Mit „Wie's dir geht“ und „Ruhe vor dem Sturm“ rocken COSMA ungewöhnlich hart drauflos, denn „Du hast Visionen, Du hast wilde Fantasien / Du bist der König in des Königs Disziplin!“

Leider ist die Produktion der CD noch nicht ausgereift. Sie klingt zu dumpf und manchmal etwas schwammig und verzerrt. Die Höhen kommen deutlich zu kurz und der durchaus ansprechenden Stimme von MATTHIAS KAATSCH fehlt es etwas an Volumen und Kraft – oder vielleicht auch am Mut, geschickter die Tonlagen zu variieren. Schön, wenn der Nachfolger von „Es hat alles seine Zeit“ diese Schwächen ausmerzen und die musikalische Kreativität von COSMA auf eine noch professionellere Produktion treffen würde. Spätestens dann könnten sich die deutlich erfolgreicheren Vertreter der Hamburger Schule verdammt warm anziehen, wenn die fünf Berliner ihre deutlich weniger verkopften Texte und musikalischen Ideen zu Gehör bringen.

FAZIT: „Es hat alles seine Zeit“ der Berliner Band COSMA ist ein wirklich nettes und keinesfalls peinliches Weltverbesserer-Album geworden, das geschickt zwischen Rock und Pop sowie einer gehörigen Indie-Prise seine Botschaften vermittelt, die mit einer besseren Produktion noch wirkungsvoller gewesen wären.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2572x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • Es hat alles seine Zeit
  • Milchmädchen
  • Im Moment
  • Kopfkino
  • Kennst du das auch
  • Wutbürger
  • Phantomschmerz
  • Ruhe vor dem Sturm
  • Schnäppchenjägermeister
  • Nachtgedanken
  • Sinnsucht
  • Deus Lo Vult
  • Wie's dir geht

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Annika
gepostet am: 09.09.2012

User-Wertung:
15 Punkte

Auf den Punkt gebracht: Das beste deutschsprachige Album, dass ich 2012 gehört habe.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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