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Our Mirage: Lifeline (Review)

Artist:

Our Mirage

Our Mirage: Lifeline
Album:

Lifeline

Medium: CD/Download
Stil:

Post Hardcore

Label: Arising Empire / Nuclear Blast / Warner
Spieldauer: 43:10
Erschienen: 24.08.2018
Website: [Link]

Normalerweise hinterlassen Ankündigungen der Sorte: Die Welt ist krank und dem Hinweis auf die steigende Zahl unter Depressionen leidender Jugendlicher– wie hier im Promozettel - nur mitleidiges Lächeln oder Verständnislosigkeit bei denjenigen, die mit der Thematik depressiver Erkrankungen entweder nicht vertraut sind, oder aber, entgegen dem Trend der Zeit, keine Probleme dieser Art kennen, da Depressionen immer nur die Anderen betreffen. Umso mehr erstaunt dann die Tatsache, wie viele Menschen tatsächlich unter diesen Seelenzuständen leiden und entweder ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen, oder aber, weil Letzteres schon ein ganzes Leben lang nicht funktioniert hat, keinen anderen Ausweg mehr wissen, als ihrem Dasein ein Ende zu setzen.

OUR MIRAGE wählen mit „Lifeline“ einen Therapieansatz der besonderen Art, denn die 11 Tracks des Albums setzen sich schonungslos mit Selbstmordgedanken, innerer Zerrissenheit, Nichtakzeptanz durch die Gesellschaft und Traumata auseinander, ohne, wie meistens, die Ausweglosigkeit noch auswegloser erscheinen zu lassen. Knallharte Lyrics, unterstrichen durch Growl-Parts stehen im direkten Kontrast zu honigsüßen, cleanen Vocals, die Frontmann Timo Bonner in Eigenregie bei MEGA BLASTER RECORDINGS produzierte.

Obwohl OUR MIRAGE mittlerweile als Band unterwegs sind, ist das Album ein sehr persönliches Werk BONNERs, der Erlebnisse, Niederlagen, aber auch die Hoffnung, Probleme zu meistern, in eine Form gießt, die weit ab jeder Belanglosigkeit ins Herz der Hörer/Innen trifft, die sich auf die Reise durch sein Seelenleben mitnehmen lassen.

Musikalisch ließe sich das Werk mit „SKILLET meets AMORPHIS“ überschreiben, denn die teilweise aufpeitschenden Growls aus schierer Ausweglosigkeit und Schmerz werden konterkariert durch grandiose Melodien, die an SKILLETs „Comatose“- Ära erinnern, ohne an Eigenständigkeit einzubüßen.

Intensiv bis zur Schmerzgrenze beschreiben die Texte eine Welt aus der Sicht desjenigen, der jeden Tag aufs neue die Kraft schöpfen muss, irgendwie weiter zu machen, Gedanken, die eventuell auch den Menschen kommen, die nicht unter Depressionen leiden, aber mit Blick auf die globale Zerrissenheit und die teils groteske Ungerechtigkeit, mit der das Schicksal zuschlägt, immer wieder aufsteigen. Gedanken, die ständig aufs neue zurückgedrängt werden wollen, was nur den gefestigten Charakteren jederzeit vollständig gelingt.

Die erste Single „Nightfall“ zeigt exemplarisch die Stärken der Scheibe und die mittlerweile über 2 Millionen Streams (!) sprechen eine deutliche Sprache. Der Protagonist, der sich eine Maske aufsetzen muss, um seiner Umwelt ein ICH vorzugaukeln, das den Schmerz und die Zerrissenheit nicht nach Außen trägt und es schafft, die Schönheit dieser Welt die Oberhand über destruktive Gedanken gewinnen zu lassen. Anspieltipp!

„Honesty“ mit einem gesprochenen Intro, das die Probleme eines unter Depressionen leidenden Menschen thematisiert, in dem der Betroffene unumwunden zugibt, die Anforderungen von Job und dem damit verbundenen Anspruch, ein „normales“ Leben zu führen, nur mit Hilfe geeigneter Medikationen meistern kann, liefert genau die Form der Offenheit, ohne die Betroffene dieser Erkrankung nicht Paroli bieten können.

FAZIT: OUR MIRAGE bieten mit ihrem Erstlingswerk „Lifeline“ beinharte Kost. Neben den, zugegebener Maßen, anspruchsvollen Texten, liefert das Werk beeindruckende Produktion und Melodien, die für Licht am Ende des Tunnels depressiver Hoffnungslosigkeit sorgen, denn die Einsamkeit, die man selbst in einer belebten Stadt erleben kann, führt eben nicht zum finalen, unumkehrbaren Schritt Richtung Abgrund, dem Sprung von den Dächern der Stadt, sondern zu der Erkenntnis, sich in der Rolle des Unbekannten („The Unknown“) häuslich einrichten zu können, ohne an Selbstachtung zu verlieren. [Album bei Amazon kaufen]

Stefan Haarmann (Info) (Review 294x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Lost
  • Believe
  • Revivor
  • Lifeline
  • Nightfall
  • My Distress
  • Honesty
  • Fading
  • December
  • Heartbeat
  • The Unknown

Besetzung:

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