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Muncie Girls: Fixed Ideals (Review)

Artist:

Muncie Girls

Muncie Girls: Fixed Ideals
Album:

Fixed Ideals

Medium: CD/LP/Download/Limitiert/LP farbig
Stil:

Indie Punk, Alternative Rock

Label: Specialist Subject Records/Broken Silence
Spieldauer: 42:32
Erschienen: 31.08.2018
Website: [Link]

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Bei MUNCIE GIRLS handelt es sich nicht etwa um eine Girlie-Band, die sich irgendwo im müffeligen Pop-Sumpf mit Arschwackel-Gesang eine goldene Stupsnase verdienen will, sondern um ein Trio, das zu zwei Dritteln männlich und nur einem Drittel weiblich ist. Damit wäre Missverständnis Nummer 1 behoben.
Und Missverständnis Nummer 2 machen wir jetzt auch ganz schnell noch den Garaus, denn auf „Fixed Ideals“, dem zweiten Album der britischen Band, erklingen keinerlei Teenie-Pop-Rhythmen, zu denen man ein fein abgestimmtes Tänzchen auf der Bühne veranstalten kann, sondern griffiger und provokanter Indie-Punk, wie man ihn von SIOUXSIE AND THE BANSHEES oder THE REPLACEMENTS nur zu gut kennt. Und dass dabei die musikalische Konstellation von Sonne, Mond und Sterne ideal steht, sieht man schon auf dem Cover, wobei ganz besonders aber die LP-Ausgabe mit farbig-gesprenkeltem Blau-Weiß-Vinyl und einer Sonnen-A-Seite sowie Mond-B-Seite ganz besonders zu empfehlen ist.

Bei der Namensgebung ihrer beiden Alben, „From Caplan To Belsize“ (2016) und „Fixed Ideals“, ließen sich die MUNCIE GIRLS von der 1931 geborenen uns 1963 gestorbenen Autorin Sylvia Plath inspirieren, die in ihren Texten sehr persönliche, oft sehr bedrückende Erlebnisse, wie ihren missglückten ersten Selbstmordversuch, verarbeitete. Der zweite Versuch allerdings gelang ihr – und wie es die Literatur-Geschichte immer wieder ähnlich belegt – trat dann, nach ihrem Tod, auch der literarische Erfolg ein, von dem sie nicht mehr profitieren konnte.
Einen großen Anteil daran hatte auch die Art der Durchführung ihres Suizids, den sie umsetzte, während ihre beiden Kinder im Nachbarzimmer schliefen und bei dem sie absolut auf Nummer Sicher ging, indem sie Schlaftabletten nahm, die Küche mit Handtüchern abdichtete, dann den Gashahn aufdrehte und ihren Kopf in die Backröhre schob.
Kurze Zeit später eroberten ihre Texte die Welt und ließen Sylvia Plath zu einer Vorreiterin und Ikone der Frauenbewegung werden.
Auch die Texte der MUNCIE GIRLS-Sängerin und -Gitarristin beziehen sich intensiv und eindringlich auf die Plath-Themen, sind sehr persönlich, oft bedrückend und greifen zugleich politische Themen mit scharfer Kritik auf, wie in „Locked Up“, wenn sie das Fernsehen oder die modernen Medien als einen der schlimmsten und gefährlichsten Meinungsmacher und Wirtschaftsstrategen anprangert: „T.V. adverts promoting war.“

Bei dem punkigen „Picture Of Health“ und „Clinic“, einem Alternative-Pop-Song, der von einem eingängigen Mitwipp-Refrain lebt, greifen sie im besten plathschen Sinne gleich zweimal hintereinander das Thema psychischer Störungen, wie Panik-Attacken auf, die man immer wieder medizinisch zu behandeln versucht, obwohl der Grund dafür nicht mit Medikamenten bekämpft werden kann, weil er oft einfach nur in den fehlenden, richtigen Freunde liegt: „I used to have friends. I used to know why I felt sad, if I ever did, but now I feel that all the time.“ („Clinic“)

Aber die MUNCIE GIRLS lassen es auch ruhiger angehen, wenn sie mit „Falling Down“ optimistisch vorwärts blicken und dabei zu dem Schluss kommen, dass ein Absturz zugleich auch immer einen Neuanfang bedeutet.

Auch der Sound ist auf „Fixed Ideals“ voller geworden, was daran liegt, dass die Sängerin neuerdings nicht nur den Bass, sondern auch die zweite Gitarre spielt: „Songs mit zwei Gitarren klingen gleich um einiges komplexer. Beim Schreiben und während der Aufnahmen habe ich ziemlich viel unterschiedliche Musik gehört, die den Sound des Albums hörbar beeinflusst haben. Wir sind dieses Mal definitiv viel abenteuerlustiger und experimentierfreudiger gewesen als je zuvor.“

Trotz dieser Worte der Sängerin lässt das Album doch einige Schwächen erkennen, die in den sich zu häufig wiederholenden, eben punkigen Schrammel-Rhythmen liegen, wobei auch Landes Gesang gerade bei diesen Losgehnummern nicht immer überzeugen kann.
Ganz im Gegensatz zu den ruhigeren Songs, wenn ihre Stimme warme und tiefere Töne annimmt, wie bei dem großartigen „Hangovers“, so pessimistisch der Text auch erscheinen mag: „I hate the hangovers but what can I do?“
Ganz einfach: Noch viel mehr solche Songs wie „Hangover“ schreiben und noch ein klitzekleines bisschen mehr Mut zur Veränderung beweisen!

FAZIT: „Fixed Ideals“ von den britischen MUNCIE GIRLS lebt von Alternative Rock mit Punk-Attitüde und größtenteils sehr persönlichen, bedrückenden Texten der Sängerin des Trios, die sich um ihre Ängste, die geistige Gesundheit, Auswirkungen des Alkohols, gestörte Beziehungen zu Anderen, das Verlassenwerden und die wichtige Bedeutung von echten Freunden und Familie drehen. Die besonderen Stärken aber liegen in den ruhigeren Momenten der Musik und der großartigen Gestaltung der farbig marmorierten Vinyl-Version mit Sonnen- und Mondseite sowie allen Texten in der farbig bedruckten Innenhülle.

Thoralf Koß (Info) (Review 263x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Seite A (21:11):
  • Jeremy (3:47)
  • Picture Of Health (3:35)
  • High (3:48)
  • Clinic (3:25)
  • Falling Down (3:33)
  • Isn‘t Life Funny (3:03)
  • Seite B (21:21):
  • Bubble Bath (3:53)
  • Fig Tree (3:20)
  • Locked Up (1:45)
  • In Between Bands (3:24)
  • Laugh Again (2:46)
  • Hangover (2:37)
  • Family Of Four (3:36)

Besetzung:

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