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Eurythmics: Sweet Dreams (Are Made Of This) (1983) - Newly 180g-Vinyl-Mastered From Original 1/2“-Tapes“ (Review)

Artist:

Eurythmics

Eurythmics: Sweet Dreams (Are Made Of This) (1983) - Newly 180g-Vinyl-Mastered From Original 1/2“-Tapes“
Album:

Sweet Dreams (Are Made Of This) (1983) - Newly 180g-Vinyl-Mastered From Original 1/2“-Tapes“

Medium: LP+DL-Code/Remaster
Stil:

Anspruchsvoller Indie-Pop und New Wave mit vielen dunklen Tönen

Label: Sony Music Entertainment
Spieldauer: 42:12
Erschienen: 13.04.2018
Website: [Link]

„Wenn du dir eine Schallplatte kaufst, dann brauchst du auch Plattenspieler und Lautsprecher. Das ist eine tolle Sache, denn das heißt, die Leute spielen unsere Songs nicht auf dem Handy, sondern auf einer Anlage. Genau so wie wir früher Musik hörten. Wenn sich Leute für Musik auf Vinyl entscheiden, legen sie die Platte auf und hören Seite für Seite. Und das ist wichtig, denn wir haben großen Wert darauf gelegt, in welcher Reihenfolge die Songs gehört werden sollen.“

Mit diesen Worten von Dave Stewart, dem männlichen Part der EURYTHMICS, der manchmal neben der unglaublichen Stimme von Annie Lennox zu Unrecht weniger Beachtung als die charismatische Sängerin erhält, kommen wir nach dem ersten 1981er-Album „In The Garden“, das noch „experimentell und unkonventionell“ war, zum zweiten Album des Pop-Duos, das sich zu einem riesigen Megaseller entwickeln sollte: „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ aus dem Jahr 1983 erwies sich als ein echter musikalischer Goldesel und Preiseeinheimser. Und ganz dem Album-Titel entsprechend, sollte tatsächlich der süße Traum der EURYTHMICS in Erfüllung gehen, der gleich mit dem ersten Song „Love Is A Stranger“ über die fremde Liebe einer Prostituierten, die in dem dazugehörigen Video von Annie Lennox selbst gespielt wird, während Stewart in die Rolle des Chauffeurs der Limousine schlüpft, gigantisch einschlug – auch wenn er noch nicht den Spitzenplatz in Amerika eroberte.

Das gelang aber „Sweet Dreams (Are Made Of This)“, welcher die LP-B-Seite eröffnete und neben dem Platz 1 in den USA und Kanada, auch in ganz Europa die Top Ten der Charts eroberte, aber nur in Frankreich bis zur Spitzenposition kletterte.
Beachtlich ist auch der Hintergrund hinter dem im Endeffekt traurigen, aber trotzdem ungewöhnlich dynamischen Titel.
Annie Lennox und Dave Stewart waren während der ersten Jahre als die EURYTHMICS in einer Paarbeziehung, die von Lennox als sehr anstrengend empfunden wurde, sodass ihr Stewart mitteilte, die Beziehung zwischen ihnen sei nunmehr beendet. Während Annie dies sehr mitnahm, ging Stewart an den Drumcomputer, um ein paar Rhythmen zu programmieren, was wiederum das Interesse seiner nunmehr „Ex“-Partnerin weckte, die dazu am Synthesizer eine Melodie spielte, die „wie aus dem Nichts“ kam – dazu sang Annie Lennox noch ein paar Zeilen und innerhalb einer halben Stunde war der Song, der mit seinem Ohrwurm-Rhythmus ein Welthit werden sollte, im Kasten. Später erklärte Dave Stewart sogar, dass er angeblich den falschen Knopf am Drumcomputer gedrückt hatte – und nur so dieser Rhythmus zustande kam. Manchmal kann also auch eine beendete Beziehung sowie die Irrungen und Wirrungen dabei verdammt erfolgreich und glücklich enden.

Aber auch die Mystik des ersten, ungewöhnlichen Albums „In The Garden“ wohnt noch immer der vermeintlichen Hit-Scheibe inne und wiederum entdecken wir komplex-krautige Klänge in Dur und Moll auf dem Traumalbum, wie „I‘ve Got An Angel“ sowie das finster-bedrohliche „Jennifer“ oder den mit knapp 7 Minuten Beinahe-Longtrack „This City Never Sleeps“, der sogar zum Soundtrack des hocherotischen Streifens „9 ½ Weeks“ mit Kim Basinger und Mickey Rourke aufstieg. Beide Songs, die eigentlichen Highlights des Albums, zeichnen sich zugleich durch knallharte textliche Provokationen aus. So heißt es in „I‘ve Got An Angel“ mörderisch abschließend: „Time is time is time to kill“, während „This City Never Sleeps“ die emotionale Kälte der Stadtmenschen zum Ausdruck bringt und sogar ein paar voyeuristische Züge trägt: „You know there‘s so many people / Living in this house / And I don‘t even know their names […] Walls so thin I can almost / Hear them breathing...“

„Wrap It Up“ und „This Is The House“ springen dann (leider) sehr intensive auf die Dance- und Disco-Schiene, werden auch als erste Singles und Maxis in unterschiedlichen Formaten ausgekoppelt und erscheinen ein wenig wie eine Referenz an den New Wave, um den man zu dieser Zeit, wenn man nicht nur auf Platte, sondern auch im Radio erfolgreich sein wollte, einfach nicht mehr herumkam.

„The Walk“ wartet dafür aber mit leichten Jazz-Rhythmen und einem herrlichen Trompetensolo auf und auch die Flötentönne, die wir immer wieder von Frau Lennox zu hören bekommen, sind neben all den verrückte anmutenden Sound-Collagen und Synthie-Experimenten allererste Sahne und zugleich der Beweis dafür, dass Billig-Pop garantiert nicht aus dem Hause EURYTHMICS kommt.

FAZIT: In bester Klangqualität „newly mastered from original 1/2‘ tapes“ endlich wieder auf 180g-Vinyl (plus Download-Code): das ungewöhnlich erfolgreiche zweite Album „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ (1983) ist zwar erneut ein recht molllastiges Album geworden, das aber mit „Love Is A Stranger“ und „Sweet Dreams“, den beiden Songs, die jeweils eine LP-Seite eröffnen, zwei sensationelle Hits enthält und den EURYTHMICS, trotz des hohen musikalischen und textlichen Anspruchs ihrer Musik, die niemals irgendwelche billigen Pop-Nümmerchen waren, alle Türen in die glitzerbunte Traumwelt des Pops aufstieß. [Album bei Amazon kaufen]

Thoralf Koß (Info) (Review 307x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (18:32):
  • Love Is A Stranger (3:43)
  • I‘ve Got An Angel (2:45)
  • Wrap It Up (feat. Green Gartside) (3:33)
  • I Could Give You (A Mirror) (3:51)
  • The Walk (4:40)
  • Seite B (23:40):
  • Sweet Dreams (Are Made Of This) (3:36)
  • Jennifer (5:06)
  • This Is The House (4:56)
  • Somebody Told Me (3:29)
  • This City Never Sleeps (6:33)

Besetzung:

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